Wien. Weniger Drogentote und eine erfolgreiche Substitution: Die Suchtgiftproblematik in Österreich ist stabil, wie aus dem neuen "Epidemiologiebericht Drogen 2012/2013" im Auftrag des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Demnach gab es im Vorjahr mit 161 Drogentoten um 40 weniger als im Jahr davor. Die Hälfte der zwischen 30.000 und 34.000 Opiatabhängigen befindet sich in Substitutionstherapie. Die Therapie mit Morphin in Retardform - das sind Tabletten oder Kapseln - ist am erfolgreichsten.

Dass man Österreichs Suchtgiftproblematik als stabil bezeichnen kann, war nicht immer so. "Zwischen Beginn der 2000er-Jahre und 2004/2005 gab es eine steigende Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) des problematischen Drogenkonsums aufgrund einer erhöhten Anzahl an Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit einem problematischen Drogenkonsum begonnen haben. Mittlerweile ist die Anzahl (. . .) wieder rückläufig. Während in Wien die Prävalenzzahlen in den letzten Jahren stagnieren, steigen die Zahlen in den anderen Bundesländern (kontinuierliche Angleichung des Ausmaßes des Drogenproblems zwischen ländlichen/kleinstädtischen Regionen und der Großstadt Wien)", heißt es in dem Report, den die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) für das Ressort erstellt hat.

Die aktuelle Situation beschreiben die Fachautoren vom GÖG unter fachlicher Begleitung der Bundesdrogenkoordinatorin Johanna Schopper so: "Etwa die Hälfte der Personen mit problematischem Drogenkonsum unter Beteiligung von Opioiden lebt in Wien. Ein Viertel der Betroffenen ist weiblich und etwa ein Fünftel ist unter 25 Jahre alt. Wien ist aufgrund der Tatsache, dass es die einzige Großstadt Österreichs ist, vom Drogenproblem am stärksten betroffen, gefolgt von Vorarlberg und Tirol."

Mikl-Leitners Kritik an Substitution geht ins Leere

Im vergangenen Jahrzehnt ist es laut Faktenreport gelungen, den Anteil jener Personen mit problematischem Opioidkonsum, die sich in Substitutionsbehandlung befinden, stark zu erhöhen - wodurch sich die Zahl der Toten verringert hat. Ein Jahr nach Therapiestart seien 70 Prozent, nach zwei Jahren noch 60 Prozent in Behandlung. Selbst nach 23 Jahren seien es immerhin noch 33 Prozent. "Morphin in Retardform ist allen anderen Substitutionsmitteln eindeutig überlegen", heißt es weiter im Report.

Diese Erkenntnis nimmt der Kritik von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner an Drogenersatzstoffen in Tablettenform den Wind aus den Segeln. Vor fast genau einem Jahr hatte diese die neue Anti-Drogenstrategie ihres Ressorts präsentiert, die unter anderem zum Ziel hat, sich von der Substitution zu distanzieren und statt dessen früher psychosoziale Maßnahmen zu setzen. Eine heftige Diskussion rund um die Opiat-Substitutionstherapie folgte, Mikl-Leitner schlug eine Welle der Empörung entgegen. "Suchtkranke gehören zum Arzt, nicht zur Polizei", hieß es etwa von Gesundheitsminister Alois Stöger.

Österreich bei Drogentoten im europäischen Mittelfeld


Und auch die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) bezeichnet die Substitutionstherapie als weiterhin die "erste Wahl" bei der Behandlung einer Abhängigkeit von Opioiden. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht hervor, der der Suchtgiftproblematik - ähnlich wie in Österreich - generell eine positive Entwicklung attestiert: Das Behandlungsangebot für Drogenabhängige in Europa ist demnach auf einem Rekordniveau und die Zahl der drogenbedingten Todesfälle rückläufig. Österreich liegt bei der Zahl der Drogentoten mit 19 pro eine Million Einwohner und Jahr im europäischen Mittelfeld. Rumänien weist mit 1,5 Toten den niedrigsten Wert auf, Deutschland rangiert in der Nähe Österreichs. Der Schnitt liegt bei rund 15.

Drogenkonsum zählt in Europa zu den häufigsten Todesursachen bei jungen Menschen, und zwar sowohl direkt durch Überdosierung, als auch indirekt durch drogenbedingte Krankheiten und Unfälle, Gewalt und Suizid. Eine neue, brodelnde Gefahr stellen laut EMCDDA synthetische Stimulanzien wie Ecstasy, Speed oder Crystal Meth dar, die den Drogenmarkt heute "komplexer und dynamischer" machten als früher. Besonders problematisch und gefährlich: der Mischkonsum legaler und illegaler Drogen.