Schnee ist die Basis für den Wintertourismus - egal, ob er vom Himmel oder aus der Maschine kommt. - © Fotolia
Schnee ist die Basis für den Wintertourismus - egal, ob er vom Himmel oder aus der Maschine kommt. - © Fotolia

Wien. Der Energie-, Wasser- und Kostenaufwand für Kunstschnee ist deutlich zurückgegangen - so jubeln die einen. Die Umwelt wird dennoch nicht geschont, weil als Antwort auf den geringeren Energieverbrauch noch mehr Beschneiungsanlagen und Wasserspeicherbecken gebaut werden - klagen die anderen.

Diejenigen, die über die Früchte der technischen Entwicklung frohlocken, sitzen in der Wirtschaftskammer (WK): Laut Augustin Kröll von der Fachgruppe Seilbahnen in der WK Vorarlberg haben sich die Kosten von sechs bis sieben Euro pro Kubikmeter Kunstschnee auf zwei bis drei Euro mehr als halbiert. Waren in den Vorjahren drei bis sieben Kilowattstunden (kWh) Strom für einen Kubikmeter nötig, so seien es heute ein bis drei kWh.

Umweltschützer sehen in dem geringeren Energieverbrauch wenig Grund zur Freude. Ganz im Gegenteil. "Dafür werden umso mehr Beschneiungsanlagen gebaut und die Kunstschneeproduktion steigt", sagt die Vorarlberger Naturschutzanwältin Katharina Lins. "Das ist wie bei den Autos: Die werden auch sparsamer und in Summe immer mehr." Die Vorarlberger Naturschutzanwaltschaft sei 2012 mit sieben Verfahren, zumeist zur Erweiterung von Beschneiungsanlagen, befasst gewesen, im Jahr davor waren es sogar 17. Bei der Bewilligung setzten sich die Betreiber praktisch immer durch, weil Schnee die Basis für den Wintertourismus sei.

Die Umweltprobleme des Kunstschnees laut Lins: Der Bau der Speicherbecken, in denen sich Oberflächen- und Regenwasser für die Beschneiungsanlagen sammelt, sei ein immenser Eingriff in die Natur. "Sie sind meistens asphaltiert, nur wenige Tiere halten das aus", sagt Lins zur "Wiener Zeitung". Die zeitliche Verschiebung, indem im Winter aufgrund der Kunstschnee-Produktion wenig Wasser und im Sommer durch die Schneeschmelze umso mehr verfügbar ist, bringe wiederum den natürlichen Wasserhaushalt durcheinander. Auch die Gefahr von Hangrutschungen sei dadurch erhöht.

"Wir tun nichts anderes,


als im Winter beregnen"


"Wenn man auf dieser Ebene diskutiert, dann müsste man auch behaupten, das Beregnen der Felder im Sommer schade der Umwelt", kontert Erik Wolf von der Fachgruppe Seilbahnen in der WKO, "wir tun nichts anderes, als im Winter beregnen." Die Beschneiung sei sogar umweltfreundlicher als die Beregnung in der Landwirtschaft: "Weil das Regenwasser in den Speicherbecken noch entkeimt wird, bevor es zu Kunstschnee wird." Vor Jahrzehnten hätten sich die Betreiber dazu verpflichtet, nur Wasser, Luft "und sonst nix" für den Kunstschnee zu verwenden.

Zur genauen Zahl der Beschneiungsanlagen in Österreich gebe es keine Statistik. Generell werden laut Wolf 60 bis 65 Prozent der rund 23.000 Hektar Pistenfläche künstlich beschneit. Den Kammerangaben zufolge werden pro Hektar Piste jährlich zwischen 2000 und 4000 Kubikmeter Wasser verbraucht.

In der Verfügbarkeit dieses Wassers sieht die Tiroler Naturschutzanwaltschaft die eigentliche Umweltgefahr. Denn laut dem stellvertretenden Landesumweltanwalt Walter Tschon gibt es den Trend, immer mehr Speicherbecken zu bauen. "Damit die Grundbeschneiung schneller gewährleistet ist und die Saison länger wird", sagt er. Musste man früher 14 Tage lang beschneien, um die Piste touristentauglich zu machen, so hat man sich heute zwei Tage zum Ziel gesetzt. "Je mehr Becken, desto flexibler ist man." Aufgrund des Klimawandels werde auch der Beschneiungszeitraum länger. "Würde man einige Gletscher nicht täglich beschneien, wäre hier Skifahren schon lange nicht mehr möglich."