Sie singen und sammeln, um gegen Mangelernährung, schlechtes Trinkwasser, die Missachtung der Menschenrechte und für die Schulbildung zu kämpfen. - © Leodolter
Sie singen und sammeln, um gegen Mangelernährung, schlechtes Trinkwasser, die Missachtung der Menschenrechte und für die Schulbildung zu kämpfen. - © Leodolter

Wien. Es war im Winter vor 60 Jahren, als die ersten Sternsinger der Katholischen Jungschar an Wohnungstüren klopften, die Friedensbotschaft verkündeten, Spenden sammelten und mit Kreide die Initialen von Caspar, Melchior und Balthasar auf den Türrahmen kritzelten. Bis heute hat sich daraus eine der größten österreichischen Solidaritätsaktionen für notleidende Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika entwickelt. Die gesammelten Spenden ermöglichten rund einer Million Menschen in den Armutsregionen der Welt ein besseres Leben.

Zum Auftakt des 60-Jahr-Jubiläums und der heurigen Sternsingeraktion besuchte am Donnerstag eine Gruppe aus der Pfarre Kaisermühlen in Wien-Donaustadt traditionsgemäß Kardinal Christoph Schönborn. Er segnete sie stellvertretend für ihre 85.000 Kolleginnen und Kollegen und sandte sie aus.

Schon 350 Millionen


Euro ersungen


"Die Sternsingerkinder geben uns ein Beispiel, was man gegen das Unrecht der Armut tun kann. Das ist eine sehr schöne, starke und zutiefst christliche Botschaft. Tragt den Geist der Versöhnung und der Hilfsbereitschaft in die ganze Welt und erleuchtet diese mit dem Licht der Hoffnung und der Liebe", sagte Schönborn zu seinen Besuchern.

Einst und jetzt kämpfen die Sternsinger gegen Mangelernährung, schlechtes Trinkwasser, fehlende Gesundheitsversorgung und für die Schulbildung. Sie setzen sich auch gegen die Folgen des Raubbaus an der Natur und die Missachtung der Menschenrechte ein. Anfangs hatte man noch geringen Handlungsspielraum: Bei ihrer ersten Aktion ersangen die Sternsinger gerade einmal 3080 Euro. Mittlerweile sind 350 Millionen Euro zusammengekommen. Damit werden jährlich rund 500 Partnerprojekte in den Ländern des Südens unterstützt.

Eines davon liegt in Nairobi in Kenia. Hier leben 60.000 Kinder auf der Straße. Mädchen, die besonders diskriminiert sind, werden hier von Streetworkern angesprochen, weil sie mithilfe der Spenden mit Essen und einem Schlafplatz versorgt werden sollen. In weiterer Folge will man ihnen eine berufliche Ausbildung ermöglichen.

An Meilensteinen der Entwicklungshilfe beteiligt


Ein anderes Projekt richtet sich an die Bauern im nepalesischen Dolakha. Indem man ihnen neue Methoden für Ackerbau und Viehzucht zeigt, soll sich deren Ernährungs- und Einkommenssituation verbessern. Nepal ist das ärmste Land Asien, in dem der lange Bürgerkrieg tiefe Wunden geschlagen hat. In Labrea in Brasilien wiederum hilft die Dreikönigsaktion indigenen Völkern, ihre Ansprüche auf ihr Land rechtlich durchzusetzen. Zudem werden die medizinische Betreuung sowie Bildungsangebote verbessert.

Die Dreikönigsaktion war in den 60 Jahren ihres Bestehens an zahlreichen Meilensteinen der Entwicklungshilfe beteiligt. 1968 etwa wurde der Österreichische Entwicklungsdienst unter Mithilfe der Aktion gegründet. Auch an "Jute statt Plastik" 1977 und der Gründung von Fairtrade 1993 wirkten die Sternsinger mit. 2001 erhielt die Dreikönigsaktion das Spendengütesiegel. Um zu erkennen, ob es die "echten" Sternsinger sind, die mit der Spendenbox in der Hand vor der Tür stehen, führt jede Gruppe einen Ausweis mit Pfarrstempel mit sich.

Am Samstag finden in allen Diözesen des Landes 60-Jahr-Jubiläumsfeiern statt. Der Höhepunkt ist um 13.30 Uhr, wenn an neun verschiedenen Plätzen 3000 Kinder das Lied "Das geht uns etwas an!" anstimmen.