Wien. "Endlich darf ich hier einmal Rede und Antwort stehen." Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ÖBB-Holding, Martin Huber, der sich im Telekom-V-Prozess verantworten muss, wurde am Freitag am Wiener Straflandesgericht einvernommen.

Zur Erinnerung: Es geht um den Teilverkauf des Telekom-Gebäudes am Wiener Schillerplatz 4 im Jahr 2006. Huber und seine Frau Barbara Huber-Lipp hatten damals die Schillerplatz 4 Entwicklungs GmbH (SP4) gegründet, die der Telekom die Immobilie um 5,4 Millionen Euro abkaufte. Elf Monate später wurde die SP4 um 10,9 Millionen an die Seeste Bau AG verkauft.

Staatsanwalt Michael Radasztics geht daher davon aus, dass die Ex-Telekom-Vorstände Heinz Sundt und Stefano Colombo, die den Kaufvertrag unterschrieben, die Telekom vorsätzlich schädigten, weil sie ohne Einholung eines Gutachtens die Gebäudeanteile weit unter dem tatsächlichen Verkehrswert verkauften. Huber und Huber-Lipp als Geschäftsführerin der SP4 sind wegen Beitrags zu Untreue angeklagt. Angeklagt sind weiters Erich Z. und die heutige ÖBB-Personenverkehrsvorständin Birgit Wagner, die damals in der Telekom als Immobilienexperten tätig waren. Ihnen wird vorgeworfen, beim ebenfalls angeklagten Architekten Peter K. im Jahr 2008 ein rückdatiertes Gutachten bestellt zu haben.

Am Freitag schilderte Huber, wie es zu dem Deal gekommen ist: Bereits im Jänner 2004 habe er seinen Freund, den schwer erkrankten und nicht mehr vernehmungsfähigen Bauunternehmer Anton K., der mit Sundt bekannt war, gebeten, mit der Telekom zu verhandeln.

"Treuhänder- Auftrag wegen Compliance"

Dass die Telekom bereits seit 2005 eine Vorvereinbarung mit Huber und K. hatte, in dem der spätere Verkaufspreis als Mindestpreis erwähnt war, erklärte Huber damit, dass sich die Telekom habe absichern wollen, weil der Schillerplatz eine Problemimmobilie gewesen sei: Es war weder klar, ob es eine Baugenehmigung geben werde, noch ob das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden würde.

Anfang 2006 erlitt K. einen Schlaganfall und war nicht mehr verfügbar - da er aber schon bis zu 700.000 Euro für Architekt und Anwalt investiert hatte, wollte er nicht mehr aussteigen, meinte Huber. Er gründete mit seiner Frau die SP4, an der er über einen Treuhänder 75 Prozent hielt. Diese Konstruktion will Huber "aus Compliancegründen" gewählt haben. Klar ist aber, dass er in der SP4 die Fäden zog, daran ließ seine Ehefrau in ihrer eigenen Einvernahme am Nachmittag keinen Zweifel: Sie war zwar Geschäftsführerin der SP4, habe aber in allen Details voll auf ihren Mann vertraut.

"Ein opportunistisches Geschäft"

Von Richterin Claudia Moravec-Loidolt immer wieder gefragt, wie es sein konnte, dass ohne Verbesserungen an dem Gebäude innerhalb eines Jahres der Wert verdoppelt werden konnte, betonten beide Hubers, dass die Wertsteigerung eher das Ergebnis eines langfristigen Prozesses seit 2004 gewesen sei. Außerdem habe man zwischen dem Anbot der Telekom und dem Verkauf an die Seeste eine Baubewilligung erhalten und die Sache mit dem Denkmalschutz geklärt, meinte Huber. Auf die Frage, wie viel die Gebäudeteile zum Zeitpunkt der Kaufvertragsunterzeichnung im Dezember 2006 tatsächlich wert gewesen seien, sagte er, das seien wohl sieben Millionen Euro gewesen. Immobilienentwicklung sei nun einmal ein "opportunistisches Geschäft", betonte Huber.

Für einen Knalleffekt sorgte am Nachmittag Architekt Peter K., der nachwies, dass er das Gutachten schon im Sommer 2006 angefertigt hatte. Darin war bereits der Wert von 5,25 Millionen Euro für die Gebäudeteile ausgewiesen. Das Gutachten habe er geschrieben, nachdem ihn Wagner immer wieder um eine Einschätzung des Gebäudewerts gebeten habe, es allerdings nicht an die Telekom übermittelt: "Dazu hätte ich einen Auftrag gebraucht, wegen der Verrechnung", lautete K.s simple Erklärung. Auch den Vorwurf, dass er einen zu geringen Verkehrswert angenommen habe, wies K. zurück: "Mein Gutachten stimmt", sagte er. Zum Beweis dazu verglich er die Immobilie am Schillerplatz mit einem ähnlich großen Gebäude in der Herrengasse, das insgesamt hochwertiger war. Der Gerichtsgutachter, auf dessen Expertise sich die Forderungen der Telekom in Höhe von 4,4 Millionen Euro stützen, habe für den Schillerplatz dennoch einen um 1000 Euro höheren Quadratmeterpreis veranschlagt als K. für die Herrengasse.

Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt, dann wird unter anderem eine frühere Telekom-Mitarbeiterin einvernommen. Anders als Sundt und Colombo, die beide betonten, der damalige Prokurist Wolfgang F. habe den Verkaufspreis festgesetzt, sagt sie, dass es Sundt war.