Franz Lackner will Veränderungen - aber in Kontinuität. - © kathbild
Franz Lackner will Veränderungen - aber in Kontinuität. - © kathbild

"Wiener Zeitung": Herr Erzbischof, Sie sind in den vielen Interviews der jüngsten Zeit schon alles Mögliche gefragt worden. Welches Thema, das Ihnen ein Anliegen ist, kam dabei vielleicht zu kurz?

Erzbischof Franz Lackner: Gott. Und zwar Gott, der Andere, der Größere. Ich glaube, dass unsere Zeit einfach kein Gespür hat für diesen Gott. Mir kommt vor, dass man diesem Gott keine Chance gibt und dass wir fast in so etwas wie eine christliche Naturreligion hineinkommen. Der tolle Satz, der ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury, ist eigentlich unwiderlegbar: Gott ist das, worüber Größeres nicht gedacht werden kann.

Die Kirche sollte im Idealfall zu Gott führen. An ihrer Spitze steht seit März 2013 ein neuer Mann. Wie erlebten Sie die Papstwahl? Geht einem Franziskaner nicht das Herz auf, wenn ein Papst eine Kirche der Armen für die Armen propagiert und sich Franziskus nennt?

Ich habe dafür gebetet, dass ein Nichteuropäer Papst wird. Dieser Papst gibt uns Steilvorlagen, der ist auch für uns Bischöfe eine große Herausforderung. Bis dahin habe ich nie daran gedacht, dass Franziskus ein Papstname sein könnte. Ich habe damals auf Facebook geschrieben: Assisi kommt nach Rom.

Die Erzdiözese Salzburg hatte im Jahr 2013 den relativ größten Zuwachs an Kirchenaustritten. Macht es Ihnen Sorge, so eine Diözese zu übernehmen?

Das hat mich schon sehr nachdenklich gestimmt, denn Erzbischof Alois Kothgasser hat ja gut gewirkt. Natürlich denkt man sofort daran, was man tun kann. Aber man müsste auch einmal die Ehrlichkeit aufbringen und sagen, dass der kirchliche Glaube heute nur eine Option ist, die Leute können aus vielen Angeboten wählen. Die meisten, die gehen, sagen ja nicht, dass sie jetzt nichts mehr glauben. Das ist die Herausforderung für uns. Das Geld ist gar nicht so oft das Thema. Ich denke, es gibt eine Gruppe, an die kommen wir kaum heran: junge Erwachsene zwischen 19 und 30.

Sie wollen, dass die Kirche Allianzen sucht. Welche konkret?

Zum Beispiel im Sport und mit der Jugend. Wir hatten in Graz den "Run4unity", da sind 700 Leute beim Marathon mitgelaufen, wir haben mit denen zwei meiner schönsten Gottesdienste gefeiert. Soziale Einrichtungen sind ein guter Allianzpartner. In Salzburg wird sicher die Kunst eine Rolle spielen, in der sich die schöpferische Kraft des Menschlichen zeigt, da wird sich doch in Verbindung mit der schöpferischen Kraft Gottes etwas machen lassen. Ein anderer Bereich ist Kirche und Politik - nicht Parteipolitik, wir wollen uns auf keinen Fall einer Partei an den Hals hängen. Aber es gibt sehr viel Politikverdrossenheit, es gibt sehr viel Kirchenverdrossenheit, vielleicht können sich die beiden Verdrossenheiten treffen.