Wien. Es sind zwar nicht die erhofften 16 Prozent geworden - dennoch verbuchen es die gewerblichen sowie landwirtschaftlich organisierten Pferde-Einstellbetriebe als Erfolg: Das Finanzamt gewährt ihnen künftig eine Vorsteuerpauschale von 24 Euro pro Pferd und Monat sowie Abzugsmöglichkeiten für Gebäude- und Infrastrukturinvestitionen.

Unmittelbar nachdem die "Wiener Zeitung" über die Umsatzsteuerproblematik für Einstellbetriebe berichtet hat, wurde diese Lösung in der vierten Verhandlungsrunde zwischen Vertretern der Pferdewirtschaft und des Finanzministeriums in der Vorwoche beschlossen. Spätestens heute, Dienstag, soll der Beschluss in einen Verordnungsentwurf gegossen werden. "Nach der Begutachtung muss er nur noch von Finanzminister Michael Spindelegger unterschrieben werden", sagt der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Pferdezüchter, Leopold Erasimus, zur "Wiener Zeitung".

Doch alles der Reihe nach: Seit 1. Jänner 2014 müssen landwirtschaftliche Betriebe, die nicht eigene Pferde beherbergen, 20 Prozent Umsatzsteuer abführen - was sich freilich eins zu eins auf die Einstellgebühren auswirkte. Entrüstung unter den Bauern war die Folge. Begonnen hat alles 2009: Damals klagte die Europäische Kommission mehrere Länder, darunter Österreich, in denen für die Haltung von Reitpferden ermäßigte Steuersätze gelten, vor dem Europäischen Gerichtshof. Seit 1. Jänner 2012 müssen daher gewerbliche Einstellbetriebe die höhere Umsatzsteuer abführen. Für den Großteil der Betriebe - nämlich landwirtschaftlich organisierte - galt diese Regelung allerdings nicht. Sie waren wie alle Agrarbetriebe umsatzsteuerpauschaliert, was sich - und hier schließt sich der Kreis - mit 1. Jänner 2014 änderte.

"Jedes Pferd gleich bewertet"


Nun scheint es also eine gütliche Lösung für alle zu geben. "Dass nie jeder vollends zufrieden ist, ist klar", sagt Erasimus, "aber diese Lösung ist eindeutig die klügere." Kommt doch eine Pauschale statt eines Prozentsatzes jenen zugute, die niedrige Einstellgebühren verlangen. "Jedes Pferd wird gleich bewertet. Eine höhere Gebühr ergibt sich ja meistens nur aus dem Angebot an Plätzen und Hallen."

"Und für alle neuen Gebäudeinvestitionen können Betriebe künftig ohnehin die bezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen", so Erasimus weiter. Gleiches gelte für Investitionen in unbewegliches Anlagevermögen wie Reit- oder Parkplätze. Einziges Sorgenkind bleiben Investitionen, die in der Vergangenheit getätigt wurden und für die man die volle Umsatzsteuer gezahlt hat. Hier wünschen sich die Vertreter der Pferdewirtschaft nach wie vor eine positive Vorsteuerkorrektur. Also die Möglichkeit, nachträglich und verteilt auf mehrere Jahre die Vorsteuer abziehen zu können.