Wien. Als Antwort auf die Impfstoff-Engpässe, von denen die "Wiener Zeitung" exklusiv berichtet hat, wird Wien nun nach Niederösterreich und Vorarlberg als nächstes Bundesland die erste Auffrischungsimpfung Diphterie-Tetanus-Keuchhusten-Polio auch im niedergelassenen Bereich gratis anbieten. Diese Änderung ist Dienstagabend am Wiener Impftag von Stadträtin Sonja Wehsely verkündet worden. Sie soll ab 1. März gelten. Weitere Bundesländer wie zum Beispiel Kärnten führen ebenfalls schon Vorgespräche.

Von den akuten Liefer-Engpässen ist neben dem Impfstoff gegen Tollwut jener gegen die Vierfachimpfung betroffen: Beide sind langfristig nicht lieferbar. Nur für die 13 Impfungen des vom Ministerium finanzierten Impfprogramms für Säuglinge ist genug da - darunter jene gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Polio. Eine Auffrischung ist mit sieben bis neun Jahren nötig. Ist das wegen der mangelnden Verfügbarkeit gewisser Impfstoffe nicht möglich, "verliert sich der mühsam erworbene Impfschutz wieder", sagt Peter Voitl, Leiter des Referats für Impf- und Schulärzte in der Ärztekammer Wien.

Impfstoff-Engpässe: Hoffen auf Nachschub


Durch die neue Impfaktion hofft Voitl, dass sämtliche Kanäle zu ausländischen Impfstoff-Herstellern geöffnet werden, um endlich Nachschub zu erhalten. Tatsächlich ist man laut Gesundheitsministerium beim Impfstoff gegen Polio in Verhandlungen mit Frankreich. "Wenn mehr benötigt wird, können Firmen besser planen. Aufgrund der geringen Nachfrage ist es derzeit kein Wunder, dass genau diese Impfstoffe nicht in entsprechenden Mengen produziert werden und nicht lieferbar sind", so Voitl.

Ist es doch derzeit in allen Bundesländern außer Niederösterreich Usus, dass die Vierfachimpfung nur an Schulen gratis durchgeführt - aber selten angeboten wird. "In Privatschulen wird praktisch nie geimpft", so Voitl. Scheuen doch viele Schulärzte vor Impfungen zurück, weil sie keinen klaren Dienstauftrag dazu haben. Die Haftung seitens des Dienstgebers fällt dadurch weg - sollte es zu Komplikationen kommen, steht der Arzt alleine da. Voitl hofft, dass durch das Gratis-Angebot die aktuell geringe Durchimpfungsrate steigen wird.