Graz. Deponien, speziell solche älteren Datums, können eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen. Sie könnten jedoch auch ein Rohstofflager sein. Die Möglichkeiten der gezielten Nutzung dieser vom Menschen geschaffenen "Lagerstätten" loten Leobener Abfallverwertungsexperten mit Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft FFG aus, teilte die Montanuniversität Leoben am Donnerstag mit.

In der Steiermark wurden in den vergangenen 50 Jahren laut dem steirischen Umweltressort 32 Milliarden Kilogramm Müll vergraben. Neben Schadstoffen können in Deponien aus den 1960er bis 1990er Jahren durchaus auch Wertstoffe schlummern, die angesichts des stetig wachsenden Ressourcenbedarfs einer stofflichen Wiederverwertung oder auch einer thermischen Verwertung zugeführt werden könnten. Nur noch der nicht verwertbare Anteil der Abfälle würde erneut deponiert werden. Vor Öffnung solcher "Speicher" müssen allerdings etliche Faktoren geklärt werden: Welche Art von Müll abgelagert wurde, und ob etwaige vorhandene Schadstoffe austreten könnten.

Pilotprojekt in
steirischen Müllhalden


Das Projekt Lamis (Landfill Mining Austria - Pilot Region Styria) soll grundlegende Erkenntnisse für den Abbau von Deponien in ganz Österreich liefern. "Hauptziel ist die Weiterentwicklung und mittelfristige Nutzbarmachung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung des Landfill Mining, um diese für zukünftige Anwendungen im Bereich des Deponierückbaus nutzen zu können", sagte Projektmitarbeiterin Tanja Wolfsberger vom Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft.

Im Zuge des dreijährigen Projektes will man unter anderem Daten über Menge, Art und Zusammensetzung der deponierten Abfälle gewinnen: "Wir entnehmen unsere Proben direkt aus ausgewählten Deponien und bereiten sie mithilfe von Sieben und anderen Aggregaten, die von Industriepartnern zur Verfügung gestellt werden, auf", erklärte Wolfsberger. Die Proben werden dann im Labor auf unterschiedliche Parameter wie Heizwert, Wasser- oder Schwermetallgehalt untersucht. Die Leobener Forscher konzentrieren sich dabei vor allem auf Kunststoffe, Metalle wie Eisen, Aluminium und Kupfer und heizwertreiche Stoffe wie Papier und Holz. Spätestens 2016 will man anhand der gewonnenen Daten Standorte, die für den Rückbau geeignet erscheinen, nennen können.