Wien. Minimale 2,03 Meter war die Donau zuletzt bei Kienstock in der Wachau seicht. Die aktuellen Regenschauer ändern wenig an der extremen Trockenheit, die das Land nördlich der Alpen seit Monaten beherrscht. Die Donauschifffahrt leidet bereits massiv unter permanentem Niedrigwasserstand - Preissteigerungen sind möglich. Land- und Forstbetriebe warnen vor Waldbrandgefahr und dem Borkenkäfer. Der gefürchtete Schädling wurde heuer aufgrund der milden Witterung früher aktiv. In der Landwirtschaft und im Weinbau sehnt man den Regen besonders intensiv herbei. Denn Möglichkeiten zur Bewässerung fehlen.

"Seit Oktober des Vorjahres gibt es vom Inn- bis ins Weinviertel jeden Monat weniger Niederschläge als im langfristigen Mittel", sagt Thomas Rinderer vom privaten Wetterdienst "Ubimet" zur "Wiener Zeitung". Schuld daran sei die nahezu permanente Südwest-Wetterlage: Die feuchten Luftmassen stauten sich an den Alpen und bescherten Kärnten, Osttirol und Italien heftige Niederschläge. Bei uns blieb es trocken. "Während der Wintermonate war das nicht so tragisch, weil die Luft kalt und feucht war", so Rinderer. Je höher aber die Temperaturen steigen, desto dramatischer werde die Situation. Der Boden trocknet aus, die Saat kann nicht wachsen. Die Donau sinkt.

Fahrrinne verstopft

"Niedrigwasser im März und April haben wir bis jetzt nicht gekannt", sagt dazu Norbert Baumann, Geschäftsführer von "Danu Transport GmbH". "Das ist ein Wahnsinn." Der Schnee, der im Süden Österreichs gefallen ist, fließe als Schmelzwasser erst in Kroation in die Donau. In Österreich können die Frachter nur zu zwei Drittel beladen fahren. Am Ende des Tages wird also um ein Drittel weniger ausgeliefert - was zu einem finanziellen Problem werden könnte.

Das schlägt sich freilich auch beim Endkunden nieder. In Form von höheren Preisen. Denn jedes Schiff - egal wie viel es geladen hat - kostet den Unternehmer gleich viel. Bei Niedrigwasser muss daher der Endkunde einen "Kleinwasserzuschlag" zahlen. Dieser richtet sich nach der aufgrund des Wasserpegels geringeren Beladung des Schiffes.

Ein zusätzliches Problem ist laut Baumann, dass sich durch das Hochwasser im Juni 2013 viel Untermaterial in der Fahrrinne abgesetzt hat und zu spät mit dem Ausbaggern begonnen worden ist. Allein die Personenschiffe sind davon nicht betroffen, weil sie einen geringeren Tiefgang haben. Für deren Durchkommen reichen die speziell angelegten Gesteinswälle (Buhnen) entlang der Donau, die bei Niedrigwasser Wasser in die Fahrrinne leiten.