- © Corbis/Pete Saloutos
© Corbis/Pete Saloutos

Wien. Tragen Sie ein Hörgerät, einen Herzschrittmacher oder ein künstliches Gelenk? Dann sind Sie einer von ihnen. Ein Cyborg. Ein Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine. Mit der kybernetisch assimilierten Spezies der Borg aus "Star Trek" oder den Daedalus-Variationen aus "Stargate Atlantis" haben die Cyborgs unserer Zeit zwar wenig gemein - die Verschmelzung von Biologie und Technik schreitet aber rapide voran. "Ungefähr zehn Prozent der aktuellen Bevölkerung der USA sind vermutlich im technischen Sinn ,Cyborgs‘", schreibt N. Katherine Hayles in ihrem "Cyborg Handbook".

Abseits aller Science-Fiction-Ideologien und der Faszination, die von den schier unbegrenzten Möglichkeiten der Technik ausgeht, hat die Sache allerdings einen Haken: Nutzt man den technischen Fortschritt nicht nur, um etwa ein defektes Organ wiederherzustellen, sondern um sich selbst einen erheblichen Vorteil zu verschaffen, wird eine gefährliche Grenze überschritten.

Willkommenes Hilfsmittel, um leistungsfähiger zu werden


Die Versuchung ist groß. Und gerade der Mensch, auf dem in der heutigen Leistungsgesellschaft ein enormer Druck lastet, sich dauernd verbessern zu müssen, kann dieser Versuchung nur schwer widerstehen. "Jeder muss mithalten, um diesem Optimierungs- und Verbesserungsszenario gerecht zu werden", sagt Karin Harrasser, Kulturwissenschafterin an der Universität Linz und Autorin des Buches "Körper 2.0. Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen". Die Technifizierung des Körpers sei ein willkommenes Hilfsmittel, sich leistungsfähiger zu machen.

Kommen Technologien im falschen Kontext zum Einsatz, könnten Kollateralschäden entstehen. Erste Versuche in diese Richtung gibt es bereits. Der US-Amerikaner Tim Cannon etwa - ein sogenannter "Biohacker" - hat sich Magnete in seine Fingerkuppen implantiert, um mehr als alle anderen zu fühlen: Er nimmt nun auch elektromagnetische Felder wahr. Der deutsche Journalist und Blogger Enno Park wiederum bezeichnet sich selbst als Cyborg, seit er ein Cochlea-Implantat (Hörprothese) trägt. Dieses hilft ihm zwar, wieder eine Gitarre nach Gehör zu stimmen, wie er sagt - doch das genügt ihm offenbar nicht. Park möchte sein Implantat so umprogrammieren, dass er damit auch Ultraschall hören kann. Er wäre damit der erste Mensch, der Fledermauslaute wahrnimmt. Mit Gleichgesinnten hat er im Vorjahr in Berlin den Verein "Cyborg" gegründet, um in diese Richtung zu forschen und "für die Rechte der Cyborgs einzutreten", wie es heißt.