Eher als Kunstprojekt könnte man das elektronische Auge - das "Eyeborg" - des farbenblinden britisch-irischen Künstlers Neil Harbisson sehen. Er hat es gemeinsam mit dem Kybernetik-Professor Adam Montandon entwickelt und kann nun Farben hören. Ja, richtig gelesen, hören. Harbissons Welt ist sogar bunter als die eines normalsichtigen Menschen. Denn Harbisson nimmt mit seinem "Eyeborg" auch ultraviolettes Licht und Infrarot wahr.

Ihm geht es um eine neue Perspektive auf die Evolution, wie er sagt. Mit den Cyborgs habe man jenen Punkt erreicht, nicht mehr auf die natürliche Veränderung der vererbbaren Merkmale des Menschen warten zu müssen. Diese seien nun beeinfluss- und steuerbar.

Dass "Technik immer mithandelt, wenn wir handeln", sagt auch Harrasser. Ohne medial technische Unterstützung sei der Mensch gar nicht mehr vorstellbar. Technische Erweiterungen seien auch nicht von vorneherein schlecht, wie Harrasser im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont. Ihrer Ansicht nach müsse man aber "genau hinschauen, um welche Technik es sich handelt" und über mögliche Gefahren diskutieren, damit der Nutzen zur Selbstoptimierung nicht zum gesellschaftlichen Zwang werde.

Eine gefährliche Triebfeder dabei ist das Geld. Denn nur die, die Geld haben, machen Forschung möglich - wodurch freilich deren Interessen im Vordergrund stehen. "Vor allem bei der Cyborg-Forschung braucht es eine breite Palette an wissenschaftlichen Bereichen. Von der Biologie über die Medizin bis hin zur Technik und Informatik - und das ist teuer", sagt Christof Niemeyer vom Karlsruher Institut für Technologie in Deutschland. In den USA würden komplexe Programme vor allem durch das Militär gefördert.

"Biobots" und "Animalbots" sind nur zwei der Schlagworte, die man mit den Cyborg-Zielen der US-Streitkräfte verbindet: ferngesteuerte Tiere wie zum Beispiel große Insekten mit wenig komplexen Gehirnen, denen man elektronische Kontrolleinheiten implantiert. Sie können zu Rettungs-, aber auch zu Überwachungseinsätzen losgeschickt werden.

Spinnt man den Faden weiter, scheint der Sprung vom Insekt zum ferngesteuerten Menschen nicht weit. Bereits heute gibt es Gehirnimplantate für Menschen, über die sie zum Beispiel einen Roboterarm steuern können. Das Implantat wird dabei zur Schnittstelle zwischen dem Gehirn eines Menschen und einer Maschine. "Dass die Signale nicht vom Gehirn des Menschen selbst kommen, sondern von außen eingespeist werden, ist zwar technisch denkbar und wird in Zukunft auch machbar sein, von einer Umsetzung sind wir aber noch weit entfernt", beruhigt Niemeyer.

Dennoch müsse einem bewusst sein, dass man sich auf der Suche nach technologischem Fortschritt auf eine Gratwanderung zwischen Chancen und Risiken begebe. Technik sei nie neutral.

Maschinenmenschen gibt es bereits in Sagen aus der Antike


Peter Purgathofer vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der Technischen Universität in Wien blickt etwas gelassener in die Zukunft. Die Vorstellung einer Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine sei im europäischen Kulturkreis sehr alt. Schon in Sagen aus der Antike kommen Maschinenmenschen vor, die Inseln bewachen. Es habe bereits zahlreiche technische Versuche in diese Richtung gegeben. Ein Großteil davon ist laut Purgathofer gescheitert. Seiner Ansicht nach sind es eher die überraschenden Ideen und nicht die absehbaren, die die Zukunft bestimmen.

Der Forscher ortet eine ganz andere Gefahr. "Ich persönlich sehe das größere Problem darin, Maschinen intelligent und autonom werden zu lassen", sagt er zur "Wiener Zeitung". Primäres Ziel sei daher, zu verhindern, "dass wir uns selbst überflüssig machen auf diesem Planeten".