Wien/Dornbirn. Wer in Graz durch die Annengasse geht, bleibt verdutzt stehen. "Gummi-Neger" steht in großen Lettern über einem Geschäft in Hausnummer 20. "Gummi-Neger" - aus dem korrekten Sprachgebrauch ist das N-Wort seit Jahren verbannt, FPÖ-Politiker müssen deswegen zurücktreten - und hier heißt ein Geschäft "Gummi-Neger"? Dass es sich dabei um den Familiennamen des Gummiwaren-Händlers handelt, ist übrigens eine Mär, wie Geschäftsführer Heinz Siegl einem Grazer Lokalblog verriet. Der Name rühre vielmehr daher, dass der verkaufte Kautschuk aus Afrika stammte.

Der Stein des Anstoßes. Für die einen rassistisch, für die anderen einfach nur ein Logo. - © Mohrenbrauerei
Der Stein des Anstoßes. Für die einen rassistisch, für die anderen einfach nur ein Logo. - © Mohrenbrauerei

Der Grazer Gummihändler ist keineswegs das einzige Unternehmen mit einem aus politisch korrekter Sicht eher suboptimalen Namen. Auch die Vorarlberger Mohrenbrauerei in Dornbirn gerät regelmäßig unter Rassismusverdacht. Nicht nur wegen des Namens - es war tatsächlich ein Herr Josef Mohr, der 1784 das Wirtshaus "Zum Mohren" mit dazugehöriger Brauerei gründete. 50 Jahre später übernahm eine Familie Huber das Unternehmen, behielt allerdings den Namen bei - und auch das Logo. Und an dem stoßen sich einige.

Rassistische
Stereotype

Alternativen. Der Affenbrotbaum als künstlerische Antwort auf den Mohrenkopf. Auch Julius Meinl verzichtet mittlerweile darauf, seine Markenfigur dunkelhäutig darzustellen. Beim deutschen Schokoladeproduzenten Sarotti wurde der Mohr zum Zauberer. Mohrenbräu will hingegen an seinem Logo nichts ändern. - © facebook/wikipedia/meinl/wirinherten/sarottihoefe
Alternativen. Der Affenbrotbaum als künstlerische Antwort auf den Mohrenkopf. Auch Julius Meinl verzichtet mittlerweile darauf, seine Markenfigur dunkelhäutig darzustellen. Beim deutschen Schokoladeproduzenten Sarotti wurde der Mohr zum Zauberer. Mohrenbräu will hingegen an seinem Logo nichts ändern. - © facebook/wikipedia/meinl/wirinherten/sarottihoefe

Einer davon ist Simon Inou, Journalist mit afrikanischen Wurzeln. Aus seiner Sicht verbreitet Mohrenbräu mit seinem Logo, das den Kopf eines Afrikaners mit wulstigen Lippen und krausen Haaren zeigt, rassistische Stereotype. Daher hat Inou 2012 gemeinsam mit dem Künstler Mara Niang unter dem Slogan "No Mohr" ein alternatives Logo für die Brauerei entwickelt. Statt des Mohren soll der Affenbrotbaum künftig die Flaschen des eher herben Vorarlberger Biers zieren.

Ganz angetan von der Idee ist die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). Der Kampf der in Sachen Political Correctness teilweise etwas übereifrigen Studentenvertreter treibt mitunter skurrile Blüten. So wurde vor wenigen Tagen eine Vorarlberger Hip-Hop-Band von einem Studentenfest ausgeladen, weil sie ihrem Lieblingsbier ein Lied gewidmet hat. Für die ÖH ein rassistischer Akt.

Bei Reinhard Hämmerle, Vertriebsleiter bei Mohrenbräu, unverständlich: "Ich glaube, dass sich die ÖH als intellektuelle Elite da einen Bärendienst erwiesen hat. Für uns hatte das ja keine Folgen, aber für die Band. Ich bin ein Freund konstruktiver Kritik, aber hier wurde schnell geurteilt, ohne nachzudenken." In Vorarlberg habe es jedenfalls "null Verständnis" für den Schritt der ÖH gegeben, denn "hier würde kein Mensch auf die Idee kommen, dass Morenbräu rassistisch ist". Leute, die die Brauerei nicht kennen, würden sie ins rechte Eck stellen wollen, so Hämmerle zur "Wiener Zeitung". "Unsere Brauerei ist kulturell und sozial sehr engagiert und distanziert sich ausdrücklich von jeglichem Rassismus." Und überhaupt: "Wer in Gottes Namen hat die ÖH beauftragt, darüber zu richten, was rassistisch ist und was nicht?"

Diskussion in Wien,
nicht in Vorarlberg

Den Einwand, dass mit Simon Inou auch eine Person mit dunkler Hautfarbe sich durch das Logo der Brauerei beleidigt fühlt, lässt Hämmerle nicht gelten: "Dann muss ich ihm die mehr als 50 dunkelhäutigen Vorarlberger gegenüberstellen, die uns Fotos von sich mit dem Bier geschickt haben und geschrieben haben, wir sollen uns bloß nicht unterkriegen lassen." Auch internationale Gäste dunkler Hautfarbe hätten kein Problem mit dem Logo.

Wirtschaftliche Folgen hat die Kampagne, die seit zwei Jahren gegen den Mohrenbräu-Mohren läuft, laut dem Brauereimanager nicht: "Wir verzeichnen jedes Jahr ein starkes Plus." Ein Grund dafür ist laut Hämmerle der, dass "die Diskussion nie dort ist, wo das Bier ist, nämlich in Vorarlberg. Bei uns gibt es keine Diskussion."

Weil man auch keine bösen Gedanken mit dem Logo hege und unter Hinweis auf die Tradition schließt Mohrenbräu daher eine Änderung des Logos aus.

Dabei sind Änderungen des Erscheinungsbildes einer Marke gang und gäbe. So hat sich etwa die Ottakringer Brauerei vor zwei Jahren einen recht radikalen optischen Relaunch verpasst. Geschadet hat es dem Unternehmen nicht.

Andere ließen ihren
Mohren verschwinden

Die Debatte, die um Mohrenbräu aktuell geführt wird, haben andere Unternehmen schon hinter sich. Vor allem bei Kolonialwarenhändlern war der Mohr ein beliebtes Symbol. Daher zierte er zum Beispiel auch die Produkte des deutschen Schokoladenherstellers Sarotti. Mittlerweile wurde aus dem schwarzen Diener ein Magier mit goldener Haut.

Julius Meinl verzichtet heute darauf, seinen Mohren dunkelhäutig darzustellen. Auch hier hatte es den Vorwurf gegeben, die Darstellung würde rassistische Klischees bedienen. Den hatte das Unternehmen stets zurückgewiesen, schließlich trage die Figur einen Fez, das Symbol der Herrschaft eines Sultans, und sei daher kein Diener oder Sklave. Letztlich wurde die Meinl-Figur dann aber doch vom Mohren zur einfärbigen Silhouette. Und vielleicht wird auch der Mohrenbräu-Mohr eines Tages seine Schuldigkeit getan haben.