Wien. Die Smartphones machen gestochen scharfe Bilder davon. Mit wenigen Tastendrücken sind sie aussortiert und bearbeitet - und mindestens ebenso schnell auf sozialen Medien verbreitet. Damit sind sie freigegeben für die Augen der Betrachter. Und damit machen sich auch all jene der Kinderpornografie schuldig, die selbst minderjährig sind und zum Beispiel gemeinsam mit der gleichaltrigen Freundin deren Nacktfotos online gestellt haben.

Mit sexuellem Missbrauch hat dieses freiwillige Vor-der-Kamera-Posieren und Online-Stellen nichts zu tun. Dennoch ist es Kinderpornografie - mit allen Konsequenzen für die Verantwortlichen. Den wenigsten dürfte das bewusst sein, betrifft doch bereits die Hälfte aller als illegal eingestuften Meldungen über Kinderpornografie Jugendliche, die Nacktfotos posten. "Diesen Trend gibt es erst seit drei, vier Jahren. Er geht Hand in Hand mit der technischen Entwicklung der Smartphones und ist zu einem ernsthaften Problem geworden", sagt Barbara Schloßbauer, Leiterin der anonymen Meldestelle "Stopline" gegen Kinderpornografie und Nationalsozialismus im Internet, zur "Wiener Zeitung".

Die Staatsanwaltschaft Linz hat bereits davor gewarnt, dass immer häufiger 10- bis 16-Jährige in sozialen Netzwerken zunächst freiwillig Nacktfotos veröffentlichen und später damit erpresst werden. "Man kann davon ausgehen, dass es in dieser Altersgruppe in jeder Schule solche Fälle gibt", hieß es.

Mittlerweile haben sich laut Schloßbauer einige "einschlägige" Foren herauskristallisiert, in denen hauptsächlich junge Männer Fotos und Videos online stellen. Etwa auf einem Online-Netzwerk, dessen Nutzer vor allem in Russland und der Ukraine sitzen.

Jede Meldung über Inhalte wie diese wird von "Stopline" geprüft. Stellt sie sich als illegal heraus, wird das Bundeskriminalamt (BK) informiert. Bei österreichischen Providern ersucht "Stopline" diese, den Inhalt zu entfernen. Liegt das Material auf ausländischen Servern, werden die internationalen Partner kontaktiert. "Stopline" ist auch in "Inhope" - ein weltweites Netzwerk von Meldestellen - eingebunden.

Bis zu zwei Jahre Haft drohen

Und wie verfährt die Exekutive mit den Tätern, wenn diese - genauso wie die Personen vor der Kamera - minderjährig sind? "Anzeigen müssen wir sie", sagt dazu Harald Gremel, Leiter des Referats Gewaltkriminalität im BK. Darüber, wie die Staatsanwaltschaft weiter verfährt, bekomme man zwar keine Rückmeldungen - jeder ab 14 Jahren sei aber strafmündig. Der Strafrahmen für die Herstellung und Verbreitung pornografischer Darstellungen Minderjähriger betrage ein Jahr Freiheitsstrafe, falls die abgebildeten Personen über 14 Jahre alt sind. Sind sie jünger, drohen bis zu zwei Jahren Haft.

Dass das Phänomen dieser "freiwilligen", aber dennoch illegalen Kinderpornografie zunimmt, bestätigt auch Gremel. Insgesamt gab es im Vorjahr rund 550 Anzeigen wegen pornografischer Darstellungen Minderjähriger (Paragraf 207a StGB). Der Anteil der jugendlichen Täter werde nicht extra ausgeschildert.

Hinweise an die Meldestelle Kinderpornografie und Sextourismus des BK gab es im Vorjahr 3258, also etwas mehr als 2012. Bei "Stopline" seien die Meldungen sprunghaft angestiegen, wie es am Mittwoch anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums hieß, und zwar von 2615 im Jahr 2012 auf 6070 im Vorjahr. Mehr als ein Viertel dieser Inhalte stellte sich als illegal heraus. Darin sind zwar auch die im Sinne des Verbotsgesetzes bedenklichen Fälle enthalten, allerdings lag deren Anteil bei nur zwei Prozent. Der Rest war der Kinderpornografie zuzuordnen.

Zentrum in den USA

Nur drei aller strafbaren Inhalte 2013 lagen auf österreichischen Servern, sie waren kinderpornografischen Ursprungs. Das Zentrum liegt in den USA: Etwa 45 Prozent aller Inhalte kommen von US-amerikanischen Providern, gefolgt von Russland und der Ukraine. "Das heißt aber noch lange nicht, dass das Zielpublikum auch in diesen Ländern sitzt", so Schloßbauer. Denn Zugriff haben viele.

Präventionsarbeit sei daher unabdingbar. Das BK etwa hält Vorträge an Schulen, "um Kinder und Jugendliche darauf aufmerksam zu machen, dass das illegal ist", sagt Gremel. Und um ihnen bewusst zu machen, dass ein Bild, das einmal im Internet ist, für immer dort bleibt.