Wien/Innsbruck. Ausgerechnet unter Franziskus. Ausgerechnet unter dem Papst, von dem sich die kirchliche Reformbewegung so viel erhofft hat, setzt die katholische Kirche ein Zeichen der Härte und exkommuniziert Martha Heizer. Das Vergehen der Tiroler Theologin, die seit April der Plattform "Wir sind Kirche" vorsteht: Sie hat im privaten Kreis, also ohne Priester, Eucharistie gefeiert. Für die Kirche ein grobes Vergehen. Mit Papst Franziskus hat der Kirchenbann allerdings wenig zu tun. Hinter ihm stehen kirchliche Hardliner, wie der Leiter der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard-Ludwig Müller, aber auch klare kirchenrechtliche Bestimmungen, die kein anderes Urteil zulassen.

Im September 2011 war durch einen Fernsehbeitrag bekannt geworden, dass Heizer Eucharistiefeiern ohne Priester im kleinen Rahmen abhält. In der Folge leitete der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer ein kirchliches Verfahren ein. Am Mittwoch übergab Scheuer Martha Heizer und ihrem Mann Gert nun das Dekret, wonach sie beide fortan von kirchlichen Sakramenten und der Ausübung kirchlicher Ämter ausgeschlossen sind. Trotz Exkommunikation bleiben sie aber Mitglieder der kirchlichen Gemeinde.

Familie Heizer will die Exkommunikation allerdings nicht akzeptieren. Gert Heizer zeigte sich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" "entsetzt und empört" von der Exkommunikation: "Johannes Paul II. und Benedikt XIV. haben drei große kirchliche Verbrechen betont: Die unerlaubte Eucharistie, den Bruch des Beichtgeheimnisses und Kindesmissbrauch. Dass ich genauso schlimm oder gar schlimmer als ein Kinderschänder sein soll, ist ehrenrührig."

Überrascht seien sie nicht gewesen, als Theologen hätten sie gewusst, was auf sie zukomme, so Heizer. Trotzdem habe er "überhaupt kein Verständnis dafür". Während Priester, die Kinder sexuell missbraucht haben, früher gedeckt worden seien, werde über Laien mit voller Härte drübergefahren.

"Ein Hardliner sondergleichen"

Einer, der gegenüber pädophilen Klerikern dem Vernehmen nach auch schon mal Milde walten ließ, Glaubensabweichler aber mit voller Härte maßregelte, ist Gerhard-Ludwig Müller, seit 2012 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, zuvor Bischof von Regensburg. "Müller ist ein Hardliner sondergleichen", sagt der katholische Publizist Hubert Feichtlbauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er sei erstaunt, dass Müller durch Franziskus bestätigt wurde. Feichtlbauer vermutet, dass das harte Vorgehen gegen die Heizers auch der Versuch der konservativen Kräfte im Vatikan ist, auszuloten, "was noch geht".