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Wien. Die einen nennen es einen Meilenstein für eine zeitgemäße und moderne Gesundheitsversorgung. Die anderen fürchten, dass es der Gesundheit alles andere als zuträglich ist: Voraussichtlich 2015 soll das Versandhandelsverbot für rezeptfreie Arzneimittel in Österreich fallen. Heimische Online-Apotheken scharren bereits in den Startlöchern. Denn ausländische Apotheken aus dem EU-Raum dürfen bereits seit einem Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH) aus 2012 rezeptfreie Medikamente an Endverbraucher in Österreich verkaufen.

Heimische, niedergelassene Apotheker fürchten nun, dass man dadurch den Medikamenten-Missbrauch fördert. "Die seriöse Beratung fällt weg. Denn die gibt es nur in der Apotheke", heißt es vonseiten der Österreichischen Apothekerkammer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Gerade im Bereich Gesundheit spiele die Kommunikation eine wesentliche Rolle - ganz egal, ob es nun um die Wahl eines geeigneten Medikamentes oder die richtige Anwendung geht.

Allein die Sprachenvielfalt sei laut Apothekerkammer auf einem Beipackzettel mit Sicherheit nicht gegeben. In den Wiener Apotheken spreche man laut einer aktuellen Erhebung 47 Sprachen (inklusive Gebärdensprache). "Wir sind sehr skeptisch, ob mit einem bloßen Beipackzettel dasselbe Beratungsergebnis erzielt werden kann", heißt es.

Jeder dritte Österreicher kauft schon jetzt Online-Medikamente


Demgegenüber frohlocken freilich Versand-Unternehmen wie Unito (Quelle, Universal), die mit der Online-Apotheke "Apotheke Austria" eine langfristige Kooperation planen. Sie stützen sich auf eine Umfrage des Beratungsunternehmens Sempora, wonach jeder dritte Österreicher bereits jetzt rezeptfreie Medikamente über ausländische Versandapotheken kauft. Sobald der Online-Handel auch in Österreich möglich ist, werden sich laut Umfrage sogar rund 65 österreichische Apotheken daran beteiligen. Dabei handle es sich um einen gewichteten Mittelwert der Aussagen der 57 befragten Apotheker, so Sempora. Insgesamt gibt es 1340 Apotheken in Österreich.

Weltweit sind 15 Prozent der Medikamente gefälscht


Mehr als die Hälfte der befragten Apotheker sieht durch den Wegfall des Versandhandelsverbots eine Bedrohung - nur ein Fünftel nimmt diese Entwicklung als Chance wahr. Die größte Befürchtung: Ein spürbarer Preisverfall bei apothekenpflichtigen, rezeptfreien Medikamenten, den knapp die Hälfte der Apotheker der Umfrage innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre erwartet.