Die "Frankfurter Rundschau" schreibt in ihrem Bericht, von "starkem Beweismangel" in dem Prozess, die "tageszeitung" von einem "umstrittenen Indizienprozess". "Die Verurteilung basiert auf einer einzigen Zeugenaussage eines Polizisten in Zivil, der sich unter die Demonstranten gemischt hatte. Mehreren Dutzend weiterer Zeugen, darunter Polizisten, Müllmänner und Journalisten, war der Angeklagte nicht aufgefallen", heißt es in dem Artikel. Auch die "Süddeutsche Zeitung" konstatierte "erhebliche Zweifel" an der Darstellung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

"Kafkaesker Prozess"
"Ohne Handschellen durfte Josef S. gestern den Gerichtssaal verlassen. Als schuldig gilt er trotzdem", fasste der Zürcher "Tages-Anzeiger" den Prozessausgang zusammen. Die Zeitung spricht von einem "höchst umstrittenen Prozess", der von Linksparteien und zahlreichen Zeitungen als "kafkaesk" verurteilt worden sei. "Die Kommentatoren reagierten empört. Einer schrieb, in Wien müsse eben jeder seine Unschuld beweisen." Ins selbe Horn stieß auch die deutsche Tageszeitung "Neues Deutschland": "Die Beweise waren dünn und das Urteil nicht nur für den Beschuldigten hart: Demonstrieren in Wien ist gefährlich geworden."

Die "Thüringer Allgemeine" berichtete über die "gute Nachricht", dass der aus Jena stammende Student wieder frei sei. Die schlechte laute, dass er des Landfriedensbruchs, der schweren Sachbeschädigung und der versuchten schweren Körperverletzung schuldig gesprochen worden sei, heißt es in dem Artikel, in dem thüringische Landespolitiker zu Wort kommen und sich "bestürzt" über den Schuldspruch zeigen.

Kritik am Gesetz
Die Grünen forderten am Mittwoch die Streichung des Paragrafen, die NEOS sprachen von einem "Gummiparagrafen". Die SPÖ will über Änderungen reden, die FPÖ kann sich genauere Bestimmungen vorstellen. Klar gegen eine Streichung ist die ÖVP.

Auch die IG Autorinnen Autoren kritisierte das Urteil: Es ergebe "kein gutes Bild der österreichischen Rechtsprechung", wenn "ohne Beweise aufgrund der Angabe eines einzelnen verdeckten Ermittlers" ein Verurteilung ausgesprochen werden kann - "und der Verurteilte insgesamt sechs Monate im Gefängnis verbringen musste". Bei der Verurteilung sei es hauptsächlich darum gegangen, "ein Exempel zu statuieren", so Gerhard Ruiss von der IG Autoren in einer Aussendung. Er forderte, dass die Bestimmungen für Landfriedensbruch überprüft und neu formuliert werden.