- © Begsteiger/Mühlanger
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Salzburg/Innsbruck. Es waren dramatische Worte, die Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer bemühte. Ohne das großzügige finanzielle Engagement des Landes bei einer Liftgesellschaft in Annaberg, dem Heimatort von Gesamtweltcupsieger und Weltmeister Marcel Hirscher, "hätte es eine Mordsinsolvenz gegeben", erklärte Haslauer. Die Insolvenz im Skigebiet Dachstein-West ist seit vergangener Woche abgewendet. Das massive Einschreiten der öffentlichen Hand steht aber wie ein Mahnmal für die schwierigen Herausforderungen im alpinen Skitourismus. Das Skigebiet Dachstein-West mag ein Sonderfall sein, die Herausforderungen sind aber im gesamten Alpenraum sehr ähnlich.

Schwindende Begeisterung für das Skifahren und stetig steigende Qualitätsanforderungen an die Skigebiete bilden den Widerspruch, mit dem so gut wie alle Skigebiete zu kämpfen haben. So heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Expertenbeirats Tourismusstrategie im Wirtschaftsministerium, dass sich "die Anzahl potenzieller Skifahrer beschränken wird". Das liegt laut dem Expertengremium einerseits an der Alterung der Gesellschaft und andererseits an der "zunehmenden Interessenlosigkeit bei jüngeren Personengruppen".

Das ändert jedoch nichts an den Qualitätsansprüchen der verbliebenen Interessierten. Eine Umfrage unter rund 30.000 Skifahrern, die die österreichischen Seilbahner alljährlich durchführen, beweist das. Über die Wünsche der Skiläufer sagt ÖVP-Nationalratsabgeordneter Franz Hörl, Sprecher der österreichischen Seilbahnwirtschaft: "Die erste Priorität ist die Skigebietsgröße, die zweite Priorität die Schneesicherheit. Das ist die Challenge unserer Kunden und Gäste." Für kleinere Skigebiete wie Dachstein-West sind das keine guten Nachrichten.

In Salzburg springt
das Land ein


Mit sieben Millionen Euro beteiligt sich das Land Salzburg nun an der Modernisierung dieses Skigebiets. Dabei ist dort von einer Vergrößerung keine Rede. Aus einem alten Zweier-Sessellift wird lediglich eine moderne Gondel-Seilbahn. Die Betriebsgenehmigung für den Sessellift war in diesem Jahr ausgelaufen, ohne einen neuen Skilift wäre das Skigebiet im kommenden Winter zweigeteilt gewesen, Rußbach und Gosau hätten den Anschluss an Annaberg und damit auch die weit kürzere Anbindung an die Tauernautobahn verloren.

"Die Auswirkungen auf die Betriebe und den Tourismus wären fatal gewesen", sagt Haslauer. Deshalb sei die kürzlich fixierte Beteiligung des Landes notwendig gewesen. "Das Engagement ist aufgrund der besonderen wirtschaftlichen Bedeutung des Skigebietes für die Zukunft der Region notwendig und von der Größenordnung her ein absoluter Ausnahmefall", betont Haslauer.

Die angesprochene Region, das Lammertal, ist neben dem Salzach- und Saalachtal die dritte und kleinste Nord-Süd-Verbindung in Salzburg. Außer ein paar holzverarbeitenden Betrieben und dem Tourismus tut sich dort nicht viel. Das Skigebiet hat aber nicht nur deshalb besondere Bedeutung. Es ist eines der wenigen bundesländerübergreifenden Skigebiete. Die Lifte in Gosau liegen nämlich in Oberösterreich und gehören dort mehrheitlich dem Land.

Deshalb gab es auch vom Land Oberösterreich eine Investitionserwartung, schließlich hat das Bundesland in den vergangenen Jahren selbst Millionenbeträge in die Erhaltung des Skigebiets investiert. Eine Verkleinerung war praktisch keine Option, und einen Mittelweg gibt es im serviceorientierten Wintertourismus ohnehin nicht. Entweder offensive Investitionen oder komplettes Zusperren, heißt die Devise, Alternativen dazu müssen erst gefunden werden. Der Trend geht jedenfalls eindeutig zu größeren Skigebieten als zu kleineren.

Wachstum als Überlebensstrategie


Das zeigt sich auch anderswo im Tourismusland Österreich. So überlegen aktuell in Tirol die Bergbahnen Kitzbühel und die Skiwelt Wilder Kaiser im Brixental, sich bei Westendorf zu verbinden. Entstehen würde mit 142 Liften und 449 Pistenkilometern das größte Skigebiet Österreich, das drittgrößte Europas hinter zwei französischen Skischaukeln.

Bemerkenswert daran ist, dass sowohl in Salzburg als auch in Tirol die Investitionslust auch im Mittelgebirge ungehemmt ist. Annaberg und Kitzbühel liegen beide nicht einmal auf 800 Metern Seehöhe. Klimatischen Prognosen zufolge könnte es in diesen Höhenlagen mit dem Skisport aufgrund wärmerer Temperaturen aber recht bald recht eng werden. Der vergangene milde Winter hat noch nicht zu einem Umdenken geführt. Vertraut wird weiterhin auf die Kraft der Schneekanone. "Uns ist natürlich auch klar, dass wir bei der Beschneiung noch etwas aufstocken müssen", sagt ein Vertreter der Skiwelt Wilder Kaiser zu den Plänen zum Zusammenschluss.

In der Landeshauptstadt Innsbruck sorgt ein möglicher Skigebiets-Zusammenschluss seit mehr als einem Jahr für Grundrauschen in der schwarz-grünen Koalition im Landhaus. Durch eine Seilbahn sollen die Skigebiete Axamer Lizum und Schlick 2000 verbunden werden. Das Problem dabei: Die einzig mögliche Verbindung führt durch das Ruhegebiet Kalkkögel, doch in solchen Ruhegebieten, einer Besonderheit im Tiroler Naturschutzgesetz, dürfen keine Seilbahnen gebaut werden. Die ÖVP liebäugelt dennoch mit dem Projekt, die Grünen sind naturgemäß dagegen. Das Thema haben die Parteien in den koalitionsfreien Raum verschoben.