Wien. Maria Rauch-Kallat. 2006 hatte die damalige Gesundheitsministerin zur Bekämpfung einer allfälligen Influenza-Pandemie die berühmt-berüchtigte Schutzmasken-Aktion ins Leben gerufen. Alle Haushalte sollten sich mit im Handel stark verbilligt erhältlichen Grippeschutzmasken eindecken. Die Aktion scheiterte bekanntlich grandios - von neun Millionen bestellten Masken blieben acht Millionen übrig, die das Gesundheitsministerium zähneknirschend selbst einlagerte.

Die Grippemasken waren Teil des alten Pandemieplans, der mit wenigen Abänderungen seit Schwarz-Blau bis heute das konkrete Vorgehen der Behörden im Fall einer Influenza-Pandemie regeln soll. In dem 75-seitigen Plan ist unter anderem festgelegt, wie die Regionen zusammenarbeiten, wie sich die Spitäler vorbereiten und welche Medikamente und Impfstoffe empfohlen werden. Und dann eben auch die Sache mit den Grippemasken: Laut Website des Gesundheitsministeriums sind besagte acht Millionen Masken immer noch im Besitz des Ministeriums. Da muss Peter Kreidl, Leiter der Abteilung für übertragbare Erkrankungen, Krisenmanagement und Seuchenbekämpfung, schmunzeln. "Es gibt schon noch Masken, aber nicht mehr acht Millionen", sagt Kreidl.

Weniger zum Amüsement geeignet, aber ähnlich antiquiert wie die Masken ist der Pandemieplan an sich. Manche halten ihn gar für gefährlich. "Österreich ist auf eine Pandemie nicht vorbereitet", sagt etwa Eiko Meister, Internist an der Notaufnahme des Uniklinikums Graz und Gesundheitsexperte des liberalen Think Tanks "Weis(s)e Wirtschaft". So fehle eine zentrale Leitungsstelle, die im Ernstfall die Länderinteressen überfahren könne. Generell sieht Meister ein großes Problem in der föderalistischen Struktur des Landes: Laut dem Epidemiegesetz ist der Landeshauptmann für die Koordinierung der Maßnahmen der Bezirksverwaltungsbehörden zuständig. Neben dem Bundes-Pandemieplan gibt es in jedem Bundesland eigene Pläne, wie im Fall eines Krankheitsausbruchs detailliert vorzugehen ist. Diese gehen laut Meister oft "an der Realität vorbei". Demnach müsse das LKH Graz im Ernstfall 5000 Patienten behandeln - "das geht mit den derzeitigen Ressourcen nicht".

Reibungsverluste in der Kommunikation

Ein weiteres großes Problem sieht der Mediziner in der Kommunikation: Durch die nötige Abstimmung zwischen dem Bund, der den Pandemieplan im Ernstfall aktiviert, den Ländern, die ihn umsetzen müssen, und schließlich auch den betroffenen Institutionen komme es oft zu "Reibungsverlusten" in der Kommunikation. Beispielsweise habe die Informationskette bei Ausbruch der Schweinegrippe (H1N1) extrem schlecht funktioniert. So schlecht, dass die Durchimpfung des Schlüsselpersonals erst erledigt gewesen sei, als die Pandemie wieder zu Ende war. Bei der Vogelgrippe sei Österreich überhaupt "nur knapp an einer großen Katastrophe vorbeigeschrammt" - da habe es lange überhaupt keine Informationen gegeben.