Wien. Das Ebola-Virus brach erstmals vor fast 40 Jahren nahe dem Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo aus. Doch der aktuelle Ausbruch forderte bereits mehr Tote als in allen Jahren zuvor: über 1200. Wegen der Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen muss in Liberia, Guinea, Sierra Leone mit einer Verschlimmerung der Lage gerechnet werden. An einem Impfstoff brüten Labore weltweit fieberhaft, doch vor 2015 ist kein Durchbruch zu erwarten.

Stellt die Epidemie in Teilen des Nachbarkontinents eine Gefahr für Europa da? Verdachtsfälle, die in ganz Europa für tägliche Schlagzeilen sorgen, deuten darauf hin. Doch für Panik gibt es nicht den geringsten Anlass.

Bisher waren alle Verdachtsfälle wie zuletzt in Oberösterreich rasch entkräftet, offiziell wären sie gar nicht gemeldet worden. "Das ist unabsichtlich rausgegangen. Wir informieren bei Verdacht nicht proaktiv - erst, wenn sich dieser erhärtet", heißt es aus der zuständigen Abteilung des Landes. Es handelte sich um normales Fieber, in anderen Fällen um Magen-Darm-Infektionen oder Malaria. Zweitens - und das ist ein entscheidender Unterschied - ist Ebola keine Pandemie wie die Schweinegrippe. Die Ansteckung erfolgt nicht wie bei Influenza über die Luft, sondern nur über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Menschen, die bereits an Symptomen leiden.

Reisen (oder flüchten) Menschen über den Landweg von Westafrika nach Europa, würde die Krankheit bereits auf der monatelangen Reise ausbrechen. Was Flugreisen betrifft, sind die drei Länder so gut wie abgeschirmt. Die Verdachtsfälle in Oberösterreich betrafen Reisende aus Nigeria. In dem 170-Millionen-Land gab es bisher 15 Fälle, die Lage ist aber viel besser unter Kontrolle.

Würde ein Reisender nach Europa im Flugzeug Symptome aufweisen (nach Österreich gibt es keine Direktflüge), er würde sofort isoliert, die Fluggäste laufend kontrolliert. Bricht Ebola danach aus, würde der Erkrankte spätestens im Spital unter Quarantäne gestellt. Davor würden sich Mitbürger nur anstecken, wenn der Betroffene bereits erkrankt ist und sie etwa über Wunden oder Schleimhäute mit Erbrochenem, Blut oder Urin in Kontakt kämen. Deswegen halten sowohl der EU-Gesundheitskommissar wie auch der Entdecker des Ebola-Virus, Peter Piot (er entdeckte auch das Aids-Virus), eine Epidemie in Europa für "extrem gering" bzw. "sehr unwahrscheinlich".