Wien. Zigarettenrauch und ein Gefühl bitterer Hoffnungslosigkeit liegen in der Luft. Vor dem Gebäude des Bildungszentrums der Arbeiterkammer (AK) Wien im vierten Bezirk diskutieren und gestikulieren mehrere Frauen mit Migrationshintergrund. Daneben telefoniert ein älterer Mann, während er hektisch an seiner Zigarette zieht. Auf dem Boden kauern sich aufgeregt unterhaltende junge Männer. Das Gesprächsthema ist für alle das gleiche: ihre Langzeitarbeitslosigkeit.

Aus diesem Grund sind sie am Mittwoch zur Jobmesse "Perspektive 14" des Dachverbandes sozialökonomischer Einrichtungen (DSE) zum AK-Wien-Bildungszentrum gepilgert. Aussteller wie das AMS Wien, das Beratungszentrum für MigrantInnen, die Caritas oder die Schuldnerberatung des Fonds Soziales Wien bieten hier Informationen und Hilfe an.

"Wenn du einmal über 50 bist, will dich eh keiner mehr"


Die zwei Ausstellungsräume sind dicht gefüllt. Vor den Infoständen wird gedrängt und geschubst. Die Wortfetzen der Berater werden vom Stimmengewirr erstickt. Die Krise ist groß, möchte man meinen. Die Sehnsucht nach Perspektiven enorm. "Ich komme gerade von einem Vorstellungsgespräch", sagt etwa eine ältere Frau im etwas ruhigeren Teil der Messe nahe den Kaffeeautomaten zu ihrem Gegenüber, einer eleganten Mittvierzigerin. "Ich weiß gar nicht das wievielte Vorstellungsgespräch das war, das wird sicher wieder nichts. Wenn du einmal über 50 bist, will dich eh keiner mehr. Ich hab’ überhaupt keine Hoffnung mehr." "Ich auch nicht", antwortet die Mittvierzigerin. "Als mein AMS-Berater mein Alter gesehen hat, hat er gesagt: ,Na, das wird aber nicht leicht.‘ Das war vor drei Jahren, da war ich 42."

Damit fällt sie bereits in die Gruppe der Langzeitarbeitslosen: all jene, die seit 12 Monaten oder länger auf Jobsuche sind. Deren Zahl steigt dramatisch an. Mehr als 75.000 der rund 400.000 Jobsuchenden in Österreich waren laut AK im ersten Halbjahr 2014 langzeitarbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 42 Prozent. Besonders betroffen sind Arbeitssuchende, die älter als 45 Jahre sind. Etwa die Hälfte aller Langzeitarbeitslosen fällt in diese Altersklasse, deren Anstieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 liegt bei 57 Prozent.

Aber auch viele Menschen mit Migrationshintergrund gehören der Gruppe der Langzeitarbeitslosen an. Umso mehr dann, wenn sie zudem alleinerziehende Mütter sind. Da helfen auch noch so positive Berufs-Eignungstests nichts.

"Sie sind zu 100 Prozent für ihren Beruf geeignet", jubiliert eine Beraterin auf der Jobmesse und streckt dabei strahlend einer jungen Frau mit Migrationshintergrund einen ausgefüllten Fragebogen entgegen. Diese lächelt müde. "Das ist schön, aber warum finde ich trotzdem keine Arbeit als Kindergartenassistentin? Ich habe diesen Beruf gelernt, und ich will genau das machen. Sind meine zwei kleinen Kinder daran schuld und dass ich alleine bin?", fragt sie und streicht sich eine verschwitzte Haarsträhne aus der Stirn.

Sozialintegrative Betriebe bieten geförderte Plätze an


Sie wisse ja selbst nicht, wer ihre Kinder betreut, sollte sie einmal arbeiten gehen, räumt sie ein. Denn einen Hortplatz gebe es nur für arbeitende Mütter. Da sie zuhause ist, müsse sie ihre Kinder selbst betreuen -und finde deshalb keinen Job.

An Menschen mit Problemen wie dieses wendet sich der DSE. Die Jobmesse macht deutlich, dass es zahlreiche sozialintegrative Betriebe gibt, die Langzeitarbeitslosen geförderte, befristete Arbeitsplätze bieten und Mütter beim Wiedereinstieg unterstützen.

Die Hoffnung auf einen Wiedereinstieg hat die ältere Dame beim Kaffeeautomaten allerdings schon aufgegeben, wie es scheint. Mittlerweile sei sie neun Jahre lang arbeitslos und habe unzählige AMS-Kurse besucht, erzählt sie der Mittvierzigerin. Jetzt strebe sie die Pension an.