Wien. (apa/kats) Die Nervosität ist groß. Seit Monaten stockt Medizinern, Landessanitätsdirektoren und Medien immer wieder einmal für ein paar Stunden kollektiv der Atem. Letzteren vor allem immer dann, wenn die Austria-Presse-Agentur eine blitzblau unterlegte "Eilt"-Meldung hinausschießt: "Ebola-Verdacht in . . ."

Bisher hatte Österreich Glück - die Seuche ist trotz aller Unkenrufe und falscher Alarme nicht bis hierher gekommen. Zuletzt hat sich am Dienstag ein Verdacht aus Salzburg als unbegründet erwiesen. Dass es tatsächlich einmal so weit kommt und das österreichische Gesundheitssystem mit einem Ebola-Patienten umgehen muss, gilt unter Experten als höchst unwahrscheinlich.

Das hat mehrere Gründe. Einerseits gibt es keine Direktflüge aus Afrika nach Österreich - wenn also ein Reisender nach Europa Ebola-Symptome aufweist, würde er in einem anderen Staat behandelt. Wenn Menschen auf dem Landweg nach Österreich einreisen (zum Beispiel Asylsuchende), würde die Krankheit bereits auf der langen Reise ausbrechen, da die Inkubationszeit maximal 21 Tage beträgt. Eine Ansteckung mit Ebola ist außerdem generell nicht so "einfach" wie etwa mit Grippe: Die Ansteckung erfolgt ausschließlich über Körperflüssigkeiten und nur dann, wenn derjenige, an dem man sich infiziert, bereits unter Symptomen wie Fieber, Kopf-, Hals und Muskelschmerzen, Erbrechen oder Durchfall leidet. Um sich anzustecken, müsste man über die Schleimhäute oder Wunden in Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Erkrankten kommen. Aufgrund der schwierigen Ansteckung und der relativ guten Isolationsmöglichkeiten Erkrankter in westlichen Gesundheitssystemen gilt es als unwahrscheinlich, dass die Epidemie in Europa ausbricht. Einzelfälle wie jener in Spanien (siehe eigener Artikel) kann es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber immer wieder geben.

In Österreich ist man laut Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser jedenfalls für den Ernstfall gerüstet - in jedem Bundesland stehen mehrere Betten zur Verfügung, in denen normalerweise zum Beispiel Tuberkulose-Erkrankte isoliert werden. Österreichs Ärzte sind seit längerem von den Behörden über das richtige Vorgehen im Fall eines Verdachtsfalles informiert.

Streng reglementiertes Vorgehen bei Ebola-Verdacht

Die Grundzüge: "Prinzipiell ist derzeit das Auftreten eines Verdachtsfalles (. . .) als gering einzuschätzen", heißt es in den Unterlagen, die der APA vorliegen. Idealerweise sollen Personen, die innerhalb von 21 Tagen nach Rückkehr aus einem betroffenen Gebiet an Fieber und mit Ebola kompatiblen Symptomen erkranken, telefonisch einen Arzt kontaktieren. Sollte der Patient in der Ordination oder Ambulanz persönlich vorsprechen, sind Schutzvorkehrungen für Personal und Patienten zu treffen. In Krankenhäusern wird weiters für die betroffene Abteilung eine Aufnahmesperre verhängt werden, andere Patienten sollten ferngehalten werden.

Sollte ein konkreter Verdacht auf eine Ebola-Infektion bestehen, sollte der Arzt, der eine Überweisung an eine spezialisierte Krankenhausabteilung (Infektionsabteilung, Möglichkeit zur Isolation von Patienten) ausstellt, das jeweilige Spital telefonisch vorinformieren. Gleiches gilt für den Krankentransport. Der Patient ist mit einem Spezialfahrzeug ins Krankenhaus zu bringen.

Kontaktpersonen müssen in Inkubationszeit Fieber messen

Alle Personen, die in direktem ungeschütztem Kontakt zum Patienten gestanden sind (Abstand kleiner als ein Meter und/oder Kontakt mit Körperflüssigkeiten), gelten als Kontaktpersonen und sind in eine Liste einzutragen, die bei den Gesundheitsämtern aufgelegt wird. Allen Kontaktpersonen werden Informationsblätter mit Temperaturprotokollen ausgehändigt - sie müssen über 21 Tage hinweg zweimal täglich die Körpertemperatur messen. Die Gesundheitsämter fragen aktiv zumindest im Abstand von fünf Tagen nach.

Für Ebola-Verdachtsfälle gilt eine Meldepflicht bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde durch den Arzt, der als Erster kontaktiert worden ist.

Die Abklärung, ob sich ein Verdacht erhärtet, geht mittlerweile schneller als früher: Mussten die Proben aus Österreich bisher nach Hamburg geschickt werden, hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) mittlerweile die speziell für Ebola notwendige Testmethode übernommen.