Wien. Gonzalo kam plötzlich. Es war vorher nicht einmal besonders windig, dann aber legte Gonzalo los, erst im Westen des Landes, in den späten Abendstunden dann im Osten. Selten stimmt die Beschreibung, dass der Regen peitscht, doch am Dienstag tat er das. Mit Windböen von mehr als 100 Stundenkilometern fegte der Sturm über Österreich, am Sonnwendstein am Semmering wurden sogar eine Spitze von 155 Stundenkilometern gemessen. Der Sturm entwurzelte Bäume, deckte Häuser ab und sorgte für Stromausfälle.

In der Vorwoche war Gonzalo noch ein Hurrikan, der Verwüstungen auf den Bahamas anrichtete, über dem Atlantik wurde er dann zum Sturmtief. "Das passiert in dieser Jahreszeit immer wieder", sagt Clemens Teutsch-Zumtobel vom Wetterdienst Ubimet. Die Kaltfront beendete recht schnell den auffallend warmen Oktober, der Winter kehrt ein. Touristiker werden darüber freilich nicht unglücklich sein, denn am Wochenende folgt der Auftakt zum Ski-Weltcup in Sölden, traumhafte winterliche Fernsehbilder sind wahrscheinlich. Laut Ubimet ist zwar im Ötztal mit bis zu einem halben Meter Neuschnee zu rechnen, das Wochenende sollte aber sonnig und nur wenig windig werden.

Erhebliche Schäden

Zwei Täler weiter, im Zillertal, dürfte weitaus mehr Schnee niedergehen, bis in die Dachsteinregion rechnet Ubimet mit bis zu eineinhalb Metern Schnee. Generell sinken in ganz Österreich nun die Temperaturen sehr deutlich, bis teilweise in den einstelligen Bereich.

Gonzalo war die Wende, und sie war für viele schmerzhaft, fast im ganzen Land gab es erheblichen Sachschaden. Besonders betroffen war das Bundesland Salzburg, in dem in der Nacht mehr als 100 Feuerwehreinsätze wegen des Sturms verzeichnet wurden. Schweren Schaden richtete er in Viehhofen im Pinzgau an: Dort riss gegen 23 Uhr eine heftige Böe das komplette Dach von einem Haus weg und schleuderte es auf eine Trafostation und Stromleitung der Salzburg AG, wodurch es für zweieinhalb Stunden im ganzen Ort zu einem Stromausfall kam. Die Bewohner mussten in eine Pension einquartiert werden.

In Bad Ischl (Bezirk Gmunden) wurde ein Mann verletzt, als das Dach des Technozentrums teilweise heruntergerissen und auf ein Wohngebäude geweht wurde.

Auch die ÖBB waren betroffen. Auf der Westbahn gab es zwischen Unterpurkersdorf und Neulengbach nur eingleisigen Verkehr, weil ein Baum in die Oberleitung gestürzt war. In Wien kam es ebenfalls zu Verzögerungen wegen Leitungsschäden.

Dach von Laufhaus flog davon

Größeren Schaden gab es auch in Niederösterreich in Möllersdorf bei Traiskirchen. Das Dach eines Laufhauses war abgedeckt, über die B17 und die Gleise der Wiener Lokalbahnen und letztlich gegen ein Reihenhaus geschleudert worden. Die Fassade dieses Objektes wurde in Mitleidenschaft gezogen. Teile vom Dach des Laufhauses landeten außerdem auf jenem des Reihenhauses.

Laut Feuerwehr passierte dies gegen 2.20 Uhr. Das Dach prallte mit derartiger Wucht gegen die Wohnhausanlage, dass Fensterscheiben barsten. Neben dem dortigen Dach wurden auch mehrere Wohnungen im ersten Stock und im Erdgeschoß beschädigt. "Es machte einen lauten Knall, ich brachte sofort meinen zweieinhalbjährigen Sohn in Sicherheit", berichtet Ines E., eine Bewohnerin. "Im Erdgeschoß bei meinen Schwiegereltern wurde die Scheibe der Wohnzimmertür eingeschlagen und mehrere Teile des abgetragenen Daches liegen in der Wohnung."

In Tirol kam es aufgrund des Sturms zu Beschädigungen, Felsstürzen und Stromausfällen, vor allem das Unterland war betroffen. 30.000 Haushalte waren zwischenzeitlich ohne Strom. Personen kamen nicht zu Schaden.