Wien. Sie seien gesundheitsschädlich und suchtfördernd, sagen die einen. Sie seien weit weniger schädlich als Zigaretten, sagen die anderen. Die Rede ist von elektrischen Zigaretten, um die in den vergangenen Wochen ein Interessenkonflikt entflammt ist. Jeder will offensichtlich mitnaschen an diesem Kuchen, der ein lukratives Geschäft zu sein scheint. Vor allem ist es extrem jung - und wächst unheimlich schnell.

Für die einen - die Trafikanten - anscheinend zu schnell. Sie fürchten, dass ihr Geschäft ruiniert werden könnte, und rücken daher geschlossen gegen E-Zigaretten-Händler vor. Eine mögliche Lösung für ihr Problem: sich selbst den Verkauf der E-Zigaretten zu sichern. Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass E-Zigaretten künftig nur noch in Trafiken verkauft werden dürfen. Liegt doch laut Gesundheitsministerium eine entsprechende Novelle des Tabakmonopolgesetzes dem Nationalrat zur Begutachtung vor. Das Ministerium stellt freilich den Gesundheitsaspekt in den Vordergrund. Es strebt an, dass E-Zigaretten, indem sie den Tabakprodukten gleichgestellt werden, denselben Richtlinien unterliegen und somit nur noch in Trafiken und auch nicht mehr an Jugendliche verkauft werden dürfen. In Spanien und Italien ist das bereits der Fall.

Tabakkonsum sinkt weltweit

Tina Reisenbichler, Geschäftsführerin der Monopolverwaltung für das österreichische Tabakmonopolgesetz, findet es "sehr gut, dass die E-Zigarette in die Trafik kommt, um das Monopol abzusichern". Denn: "Der Tabakkonsum geht zugunsten der E-Zigarette zurück", sagt sie zur "Wiener Zeitung". Die Statistiken geben ihr recht. Weltweit ist der Tabak-Raucheranteil seit 1980 bei Frauen um 42 und bei Männern um 25 Prozent gesunken. Dem gegenüber ist der E-Zigaretten-Markt massiv gewachsen. Der weltweite Jahresumsatz liegt bereits bei mehr als drei Milliarden US-Dollar (2,4 Milliarden Euro).

In Österreich gab es den ersten Shop, der sich auf den Verkauf von E-Zigaretten spezialisierte, vor etwa drei Jahren. Vor allem in den vergangenen eineinhalb Jahren ist die Zahl der Händler auf rund 50 gestiegen (Trafiken gibt es rund 6500). Zahlreiche "Dampfer" (Menschen, die E-Zigaretten konsumieren) sprangen auf den Zug auf und gründeten Einzelhandelsgeschäfte oder Online-Shops.

Sie wollen die geplante Gesetzesnovelle freilich nicht akzeptieren und fürchten um ihre Geschäftsgrundlage. Am Samstag um 14 Uhr werden sie vor dem Café Einstein in der Nähe des Wiener Rathauses gegen die Monopolisierung demonstrieren.

Immerhin stünden 250 Arbeitsplätze auf dem Spiel, sagt Thomas Baburek, Obmann des vor kurzem gegründeten E-Zigaretten-Händlervereins. "Wir haben in Österreich einen Markt aufgebaut, und jetzt möchte man ihn uns streitig machen", sagt er. Das Kriterium des Jugendschutzgesetzes versteht er zum Beispiel überhaupt nicht. "Ich verkaufe generell nur an über 18-Jährige, das ist eine freiwillige Vereinbarung unter den Vertreibern." Denn obwohl E-Zigaretten um den Faktor 20 unschädlicher als herkömmliche Zigaretten seien, gebe es ja auch nikotinhaltige Nachfüllungen zu kaufen. Dass es künftig eine Meldeverpflichtung der Inhaltsstoffe auf der Verpackung gibt (2016 soll diese EU-Richtlinie im nationalen Recht umgesetzt werden), hält Baburek für sinnvoll - das sei ohnedies schon jetzt unter den Händlern üblich.

In der Zwickmühle ist indes die Wirtschaftskammer (WK), vertritt sie doch die Interessen beider: der Trafikanten und der E-Zigaretten-Händler. Karl Ungersbäck, Geschäftsführer der Sparte Handel in der WK Niederösterreich, bezieht dennoch Position. "Bevor es keine Langzeitstudien über eine mögliche Gesundheitsgefährdung gibt, sollte man sich gravierende Eingriffe überlegen", sagt er und spricht damit die geplante Monopolverwaltung an. "Damit verschiebt man das Problem nur von A nach B."