Mit diesem Vorfall war der Gaza-Konflikt in Österreich angekommen. Diese neue Art des Antisemitismus radikaler Gruppierungen hat laut Deutsch nichts mehr "mit den klassischen, traditionellen Seiten von rechts oder links" zu tun. Das Bedrohliche daran: "Es ist nicht mehr nur ein geringer Prozentsatz, der sich rassistisch und antisemitisch betätigt, sondern es sind Organisationen, die gegen Israel und Juden hetzen."

Die Daten des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung schüren Deutschs Bedenken. Demnach gibt es mehr radikale Islamisten in Österreich als je zuvor. Deren genaue Zahl wollte Leiter Peter Gridling zwar nicht nennen, sie sei aber marginal im Vergleich zu der Gesamtzahl aller Muslime, die hier leben.

Aber auch der Rechtsextremismus nimmt wieder zu. Konkret wurden im Vorjahr 1027 Anzeigen im Bereich Rechtsextremismus gezählt, was ein Plus von 107 gegenüber 2012 bedeutet. Als einen der Gründe nennt die Exekutive auch eine höhere Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Bei der Internet-Meldestelle "NS-Wiederbetätigung" etwa seien im Vorjahr insgesamt 1900 Hinweise eingegangen: Das sind doppelt so viele wie im Jahr davor.

"Den Antisemitismus gibt es nach wie vor", sagt Politikwissenschafter Emmerich Tálos im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dass gewisse Situationen, wie etwa die aktuelle Entwicklung zwischen Palästinensern und Israelis, den Antisemitismus verstärken können, bestätigt auch er.

Lichtinstallationen und Mahnwachen


Selbst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als in Österreich kaum noch Juden waren, sei er präsent gewesen. Um an die Opfer der Novemberpogrome zu erinnern, werden am Sonntag zwischen 17 und 18 Uhr an 16 Plätzen in Wien-Leopoldstadt, wo früher Synagogen standen, Scheinwerfer den Himmel erhellen. In diesem Bezirk hatten sich die meisten der brennenden Synagogen befunden. Der Leopoldstädter Tempel in der Tempelgasse war eine der größten - hier werden sich um 18.30 Uhr Mahnwachen und ein Gedenklichterzug zur Schlusskundgebung treffen.

Um 18 Uhr findet in der Wiener Ruprechtskirche ein ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem Schweigegang statt. Im Stift Heiligenkreuz werden währenddessen die durch ihre Sakralmusik-CDs bekannt gewordenen Mönche gemeinsam mit der jüdischen Sängerin Timna Brauer und dem Elias Meiri Ensemble ein Benefizkonzert unter dem Titel "Laudate Dominum" geben.

Tora Kronen und weitere Kultgegenstände, die 1938 aus den zerstörten Synagogen gerettet wurden und noch immer die Spuren der Novembernacht tragen, sind im Jüdischen Museum ausgestellt. Im Zuge mehrerer Führungen können sie besichtigt werden. Die meisten sind verkohlt oder zerbrochen. Sie wurden bewusst nicht restauriert, damit man das Feuer, das damals in den Scherben funkelte, nicht vergisst.