Jugendliche, die im Grazer Jugendhaus von SOS-Kinderdorf wohnen, haben dieses Graffiti gemacht. - © SOS-Kinderdorf
Jugendliche, die im Grazer Jugendhaus von SOS-Kinderdorf wohnen, haben dieses Graffiti gemacht. - © SOS-Kinderdorf

Wien. "Ist es gerecht, dass ein junger Erwachsener die Wohngemeinschaft verlassen muss, in der er lebt, nur weil er 18 Jahre alt geworden ist?" Mit dieser Frage richtet sich eine vom SOS-Kinderdorf initiierte Petition an Familienministerin Sophie Karmasin. Konkret geht es darum, dass in Österreich die Kinder- und Jugendhilfe mit der Vollendung des 18. Lebensjahres endet.

Das bedeutet, dass die soeben erwachsen Gewordenen, die in Heimen oder Wohngemeinschaften fremduntergebracht waren und hier aufwachsen sind, aus diesen ausziehen müssen und auch keine andere Art der Unterstützung mehr erhalten. Es gibt zwar Möglichkeiten für eine Verlängerung, die Bedingungen sind aber je nach Bundesland unterschiedlich. Die Petition soll einen österreichweit einheitlichen Rechtsanspruch auf Jugendhilfe bis zum 21. Lebensjahr erwirken. Dazu wäre eine Änderung des Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetzes nötig. In Deutschland gibt es diesen Rechtsanspruch. In Großbritannien und Norwegen wiederum muss verpflichtend ein Übergangsplan erarbeitet werden.

"Eine Änderung des Gesetzes wird noch nicht erwogen"

"Kein verantwortungsvoller Elternteil würde sein 18-jähriges Kind vor die Tür stellen, wenn dieses noch nicht dazu bereit ist", sagt der Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf Österreich, Christian Moser, zur "Wiener Zeitung". Von Jugendlichen, die nicht bei ihren Eltern leben können, werde aber genau das abverlangt. "Sie sollen mit 18 auf eigenen Beinen stehen." Zum besseren Verständnis: 70 Prozent aller 21-Jährigen leben in Österreich noch bei den Eltern. Erziehungswissenschafter sprechen von einer Entgrenzung der Jugendzeit, "25 is the new 18".

"Es muss ein Recht auf Hilfe für junge Erwachsene geben", sagt Moser und fordert Karmasin als zuständige Ministerin auf, ein entsprechendes Rahmengesetz vorzulegen. "Ob jungen Menschen geholfen wird oder nicht darf nicht davon abhängen, wie alt die Betroffenen sind. Es darf auch keine Rolle spielen, ob ein Jugendlicher in Wien oder Tirol auf Unterstützung angewiesen ist", ergänzt Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich. Es brauche daher ein bundesweit einheitliches Rahmengesetz, sagt auch Landau zur "Wiener Zeitung".

Trotz dieser vehementen Forderungen scheint eine Änderung in naher Zukunft nicht in Sicht. Denn: "Die Hilfen für junge Erwachsene wurden mit 1. Mai 2013 mit dem Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz neu geregelt. Eine allfällige Änderung dieses Gesetzes wird daher erst erwogen, wenn die Auswirkungen der Reform vom letzten Jahr evaluiert sind", heißt es aus dem Familienministerium auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". Karmasin selbst war nicht bereit, sich persönlich zu dem Thema zu äußern.