Wien. "Was die EU uns da wieder vorschreibt, das ist, wie wenn uns ein Eunuch sagt, wie’s Schnackseln geht", echauffiert sich Herbert Hausmair, der in Wien-Neubau "Hausmair’s Gaststätte" führt. Der Grund für seine Erregtheit: Ab 13. Dezember müssen alle Gastronomen die EU-Allergen-Lebensmittelverordnung umsetzen und bei ihren Speisen insgesamt 14 Produktgruppen ausweisen, die Allergien oder Unverträglichkeiten hervorrufen können. Sonst drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Verstoß gegen das Tabakgesetz kostet höchstens 2000 Euro.

Dass sich Gastronomen diesen Mehraufwand über höhere Preise wieder hereinholen, glaubt Helmut Hinterleitner, Spartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), zwar nicht. Der Strafrahmen sei aber "absolut unverständlich". Betroffen sind Lebensmittelunternehmen und all jene, die auf gewerblicher Ebene Gemeinschaftsverpflegungen anbieten. Darunter fallen Schulen, Krankenhäuser oder Cateringunternehmen. Nur Privatpersonen und nicht gewerblich betriebene Vereine sind ausgenommen, was wiederum der WKO sauer aufstößt.

Gäste sollen künftig über spezielle Speisekarten, die zum Beispiel in Form eines Ordners im Lokal aufliegen, oder von geschultem Personal über die Inhaltsstoffe informiert werden. Letzteres - die sogenannte österreichische Lösung - hat die Wirtschaftskammer nach zahlreichen Protesten erst im Sommer beim Gesundheitsministerium erwirkt. Davor war ausschließlich die rein schriftliche Variante Bedingung.

"Allergiker sind eine Minderheit"


Aufgrund dieses Entgegenkommens gibt es auch keine finanzielle Unterstützung für die Umstellung, heißt es vonseiten des Gesundheitsministeriums auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". Um die Schulungen, die alle drei Jahre aufgefrischt werden müssen, durchzuführen, gibt es eine Übergangsfrist von einem Jahr. Immerhin existieren österreichweit allein 55.000 Gastronomie- und 28.000 Hotelleriebetriebe. Die WKO bietet für ihre Mitglieder kostenlose Schulungen an - sie sind bereits jetzt überlaufen.

Kurz vor der Umsetzung der EU-Verordnung eskaliert die Situation unter den Gastronomen. Sämtlichen Diskussionen voran steht die Frage: Warum müssen Wirte für einen Bruchteil der Bevölkerung einen solchen - unbezahlten - Aufwand betreiben?

"Allergiker sind ganz klar eine Minderheit. Da fragt man sich wirklich, wem das etwas bringen soll", sagt etwa der Wirt Hausmair. "Alle Allergiker wissen, dass sie eine Allergie haben. Bisher haben sie das auch einfach bei der Bestellung gesagt, und wir haben darauf reagiert."