Wien. Es sind bizarre Eisgebilde, fast zauberhafte Skulpturen, die vor allem das Waldviertel und andere Teile Ostösterreichs derzeit, man muss sagen: heimsuchen. Die Temperaturen um den Gefrierpunkt und darunter sowie der dauerhafte Nieselregen und Nebel haben Bäume, Strommasten, Dächer und Straßenschilder mit einer dicken Eisschicht überzogen. Es ist kein völlig ungewöhnliches Phänomen, aber eben doch in dieser Intensität, nicht in dieser Großflächigkeit. "So schlimm war das noch nie", sagt die Amtsleiterin von Eisgarn im Waldviertel, Sabine Brunner.

Vor allem die mit Eis bepackten Bäume stellen eine Gefahr dar, sie drohen unter der massiven Last zusammenzubrechen. In der Nähe von Krems war sogar ein Baum auf ein Haus gestürzt, die Bewohnerin konnte unverletzt gerettet werden. In insgesamt drei Bezirken in Niederösterreich musste aufgrund der dicken Eisschicht der Katastrophenalarm ausgerufen werden, betroffen sind die Bezirke Horn, Zwettl und eben Krems.

Die Straßenmeistereien arbeiteten in Niederösterreich auf Hochtouren. Am Mittwoch gab es im gesamten Bundesland 73 Straßensperren. "Wir sind mit 170 Lkw und 700 Mitarbeitern von 25 Straßenmeistereien im Einsatz", erzählt Josef Decker, Straßenbaudirektor des Landes Niederösterreich. "Meistens tritt das nur punktuell auf, dass es in dieser Fläche zu solchen Vereisungen kommt, hat es in den letzten 30, 40 Jahren nicht gegeben", sagt Decker.

Der Zivilschutzverband empfiehlt: Daheimbleiben


Bei allen Straßensperren wurden gut beschilderte Umleitungen eingerichtet, auch ortsunkundige Fahrer sollten also ans Ziel finden. Decker empfiehlt dennoch: "Gas wegnehmen und vorausschauend fahren, vor allem bei Walddurchfahrten." Eine Restgefahr bestehe immer, Äste können plötzlich nachgeben und auf die Fahrbahn fallen, zumal gerade im Waldviertel die Straßen teilweise mit Bäumen gesäumt sind.

Gegen Mittag am Mittwoch wurde es etwas wärmer, spätestens am Freitag sollte sich die Lage ein wenig entspannen. "Zwischen etwa 600 und 1300 Meter Höhe liegt immer noch eine Luftschicht mit Temperaturen unter null Grad", erklärte Stefan Kiesenhofer in einer Aussendung der Zamg. "In höheren Luftschichten fließt dagegen konstant milde Luft aus dem Mittelmeerraum nach Österreich und bringt zwischen rund 1300 und 2000 Meter leichte Plusgrade. Somit fallen Regentropfen aus höheren Schichten in die Kaltluft und frieren dort zum Beispiel an Bäumen und Straßen."

Auch Decker geht davon aus, dass einige Straßensperren noch länger bestehen bleiben könnten. Naturgemäß ist auch bei Spaziergängen äußerste Vorsicht geboten. Der Zivilschutzverband Niederösterreich empfiehlt generell, daheimzubleiben. "Wer rechtzeitig vorsorgt, also seinen Haushalt so aufgestellt hat, dass er einige Tage ohne außer Haus zu gehen, Lebens- und Hilfsmittel zuhause hat, ist in solchen Situationen auf der sicheren Seite. Auch, wenn er zum Beispiel einen guten, alten Holzofen als alternativen Wärmespender besitzt", sagt Johann Hofbauer, der Präsident vom Niederösterreichischen Zivilschutzverband.

Im Burgenland ist ein Ort komplett abgeschnitten


In der West- und Oststeiermark waren rund 600 Haushalte ohne Strom, berichtete Energie Steiermark-Sprecher Urs Harnik-Lauris. Die nächtlichen Einsätze der Feuerwehr waren etwa im Koralmgebiet und in St. Pankrazen in der Gemeinde Gschnaidt (Bezirk Graz-Umgebung), auch tagsüber würden immer wieder Alarmierungen hereinkommen.

Aber auch im Burgenland hatten vereiste Bäume massive Behinderungen zur Folge. Im Ortsteil Forchtenstein-Rosalia im Bezirk Mattersburg war auch für Feuerwehrfahrzeuge aufgrund der Gefahr kein Durchkommen mehr, der gesamte Ort ist praktisch abgeschnitten. Das zur Assistenz angeforderte Bundesheer schickte einen Bergepanzer und einen Lkw.

Eine Besserung der Lage war im Burgenland am Mittwoch noch nicht in Sicht: "Es wird noch schlechter, weil der Wind noch dazukommt", sagte die Bürgermeisterin Friederike Reismüller. Mehrere Bewohner der Rosalia haben bereits bei Verwandten Unterschlupf gefunden. Noch etwa 80 Personen hielten sich derzeit im Ortsteil auf. "Sie sollen bitte drinnenbleiben, weil es zu gefährlich ist", appellierte die Bürgermeisterin.

Die Eingeschlossenen wurden von der Feuerwehr kontaktiert und bekamen die Möglichkeit, Lebensmittel zu bestellen. Sie sollen dann mit Unterstützung des Bundesheeres zu den Menschen gebracht werden.