Wien. Sein Fleisch ist zart, weich und dunkel. Es erinnert an Wildschwein und Jungrind. Und dennoch werden lediglich der Bart als Hutschmuck-Souvenir aus dem Alpenland oder die Haare für Rasierpinsel verwertet - den Rest des Dachses entsorgen die Jäger. Dabei wäre das etwa zehn Kilogramm schwere Raubtier aus der Familie der Marder eine durchaus schmackhafte und vor allem gesunde Alternative zum Lachs auf dem Weihnachtsteller, wie eine Studie Wiener Forscher zeigt.

"Vom Eiweiß-, Fett- und Wassergehalt her ist Dachsfleisch vergleichbar mit Schweinefleisch. Überraschend hoch ist jedoch der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, was eigentlich typisch für Fisch ist", sagt Agathe Pfeifer vom Institut für Fleischhygiene der Veterinärmedizinischen Universität Wien, das das Fleisch untersucht hat. Auch von Trichinen (parasitische Fadenwürmer in Wildtieren) war keiner der fünf untersuchten Dachse aus Niederösterreich befallen.

Pfeifer zufolge sind es aber primär die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die das Dachsfleisch auszeichnen: Sie können helfen, den Cholesterinspiegel zu senken, sind also gesünder als die für Schweinefleisch typischen gesättigten Fettsäuren.

Reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren


Der Weihnachtslachs wäre zwar ebenfalls reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren - kommt er aus Aquakulturen, ist er aber vor allem reich an Antibiotika. Diese werden verfüttert, um die Massenpopulation vor Krankheiten zu schützen. Das macht den in der geräucherten Variante weltweit am häufigsten verzehrten Speisefisch zu einem der ungesündesten. Denn jeder isst mit dem zartrosa Fleisch das Antibiotikum mit, was zunehmende Resistenzen gegen Bakterienstämme zur Folge haben kann.

Von Zuchtanlagen und Massenverwertung ist der Dachs weit entfernt. 60.000 Stück leben Schätzungen zufolge in Österreich. Etwa 8000 werden laut der Zentralstelle der Landesjagdverbände jährlich erlegt, um das ökologische Gleichgewicht zu wahren, wie es heißt. Denn der Allesfresser Dachs, der in kilometerlangen Bauten gemeinsam mit Mäusen oder Iltissen lebt, zieht in der Dämmerung gerne aus, um Jungvögel und Eier zu fressen - zum Beispiel von Fasanen. Die Population wächst zudem stetig an, weil natürliche Feinde wie der Wolf fehlen. Als typischer Kulturfolger dringt der Dachs bis in die Gärten von Grinzing, Währing oder Döbling vor und sucht nach Abfällen. Im Vorjahr wurden 30 Dachse allein in Wien erlegt.