Linz/Vöcklabruck. Das Oberlandesgericht Linz hat am Dienstag die Strafen für fünf Aktivisten des Neonazi-Netzwerks "Objekt 21" herabgesetzt. Die zwei Chefs bekamen wegen anderer Verurteilungen nur mehr eine Zusatzstrafe. Zweimal wurden teil- in bedingte Haftstrafen umgewandelt, einmal gab es eine Milderung. Allen wurden drei Monate abgezogen, weil die Urteilsausfertigung fünf Monate gedauert hat.

Im November 2013 waren die zwei Rädelsführer im Landesgericht Wels zu Haftstrafen von sechs beziehungsweise vier Jahren wegen Wiederbetätigung verurteilt worden. Ein knappes Jahr später fassten sie wegen etlicher anderer Straftaten sechs Jahre und neun Monate beziehungsweise vier Jahre und acht Monate aus. Sie hatten sich als Schutztruppe für einen Rotlichtboss betätigt und u.a. Brandanschläge auf Etablissements verübt. Der Berufungssenat musste dieses mittlerweile rechtskräftige Urteil berücksichtigen. Daher blieb es für den "Chefideologen" und den Vereinsobmann des "Objekt 21" bei Zusatzstrafen von je 15 Monaten. Die teilbedingten Haftstrafen der drei anderen Aktivisten wurden von 30 beziehungsweise 24 Monaten auf 21 beziehungsweise 15 Monate reduziert und in zwei Fällen zur Gänze bedingt verhängt.

Aufgeflogen war die Gruppe, als bei einer Polizeikontrolle 2009 Nazi-Devotionalien und verbotene Waffen im Wagen der Hauptangeklagten gefunden wurden. Es stellte sich heraus, dass sich der "Kultur- und Freizeitverein" in einem Bauernhof im Bezirk Vöcklabruck eingenistet hatte. Im Partyraum waren Nazi- beziehungsweise SS-Devotionalien aufgehängt. Die Grillstelle im Garten hatte die Form einer "Schwarzen Sonne" und am Eingang war die Reichskriegsflagge gehisst. Die Gruppe hielt Propagandamaterial bereit, es wurden einschlägige Lieder gespielt und verbreitet sowie entsprechende Tätowierungen gezeigt. Der Hauptangeklagte erschien am Dienstag mit einem Pflaster am kahlen Hinterkopf, das einen Teil seines Reichsadler-Tattoos abdeckte.

"Das ,Objekt 21‘ hatte eine Qualität der Wiederbetätigung, die hier im Sprengel ihresgleichen sucht", sagte der Staatsanwalt. Der Verteidiger der Rädelsführer, Werner Tomanek, meinte, wenn sich die Republik vor seinen Mandanten fürchte, müsse sie sich selbst hinterfragen - wo doch "linksautonome Terrorbanden die Bundeshauptstadt jedes Jahr in Angst und Schrecken versetzen" und islamistische Hassprediger zum Dschihad aufrufen würden.