Wien. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken rund 5000 Österreicherinnen daran, ein Drittel stirbt. Das Brustkrebs-Screeningprogramm, das Anfang 2014 startete, hätte diesen Prozentsatz reduzieren sollen, wie es hieß. Die Zahl der Mammografien ist seitdem allerdings gesunken. Konkret wurden im Vorjahr rund 601.000 Untersuchungen durchgeführt, das sind um etwa 15 Prozent weniger als in den Jahren davor. In Wien liegt das Minus sogar bei 21,5 Prozent.

Nicht alle sind überrascht. "Letztendlich sieht es so aus, dass ein Sparprogramm der Krankenkassen dahinterstecken könnte", sagt etwa Thomas Fiedler, Obmann der Bundesfachgruppe Frauenheilkunde und Geburtshilfe in der Österreichischen Ärztekammer. Man habe "das Kunststück" zustande gebracht, ein gut funktionierendes System durch ein schlechtes zu ersetzen.

"Die Hausärzte wurden
bewusst ausgeschlossen"


Die Ärzte waren zwar genauso wie der Hauptverband der Sozialversicherungsträger sowie das Gesundheitsministerium Initiatoren des neuen Screeningprogramms, laut Fiedler wurde aber eine bestimmte Arztgruppe von Anfang an ausgegliedert: jene der Hausärzte. "Damit fehlt einer der wichtigsten Werbeträger", so Fiedler zur "Wiener Zeitung".

"Die Hausärzte wurden bewusst ausgeschlossen", ergänzt Christian Euler, Präsident des österreichischen Hausärzteverbandes. Warum? "Weil man Angst hatte, die Hausärzte schicken jeden, der zwei Brüste hat, zur Mammografie. Und das ist teuer." Seiner Ansicht nach sollte das Screeningprogramm in Wahrheit nur jenen dienen, "die sich im Licht der rosa Schleife sonnen wollten". Den Geräteherstellern und den Radiologen zum Beispiel, allein für die Organisation des Programms ist ein kolportiertes jährliches Budget von vier Millionen Euro nötig.

Diese Kosten stehen Euler zufolge in keinem Verhältnis zum Nutzen. Das Ziel, die Zahl der Brustkrebstoten zu reduzieren, werde nur halbherzig betrieben. Denn falls einmal eine Auffälligkeit bei der Mammografie entdeckt wird, sei kein Geld für eine rasche abklärende Diagnose da. Die Frauen müssten mitunter wochenlang darauf warten. Mit dem Nicht-Einbinden der Hausärzte habe man jedenfalls den Untergang des Mammografie-Programms besiegelt.

"Der Informationsstand bei den zuweisenden Ärzten ist nicht optimal", räumt selbst die Leiterin des Brustkrebs-Screeningprogramms, Romana Ruda von der Wiener Gebietskrankenkasse, ein - fügt aber im selben Atemzug hinzu: "Im Rückgang der Untersuchungen sehe ich keine so große Dramatik." Rudas Begründung: "Früher wurden Frauen jüngeren Alters und in kürzeren Zeitabständen zur Mammografie geschickt. Das war nicht so gut." Grundsätzlich sei es die individuelle Entscheidung jeder Frau, ob sie am Screeningprogramm teilnimmt oder nicht. Die Überweisung über den Gynäkologen sei nach wie vor möglich.