Drei Musen des Musensarkophags, Antikensammlung. - © Care Österreich
Drei Musen des Musensarkophags, Antikensammlung. - © Care Österreich

Wien. Am Weltfrauentag finden österreichweit zahlreiche Veranstaltungen statt. In Wien fokussiert unter anderem das Kunsthistorische Museum (KHM) auf "Frauen im Krieg - Frauen in der Kunst". Vier Sonderführungen setzen sich dabei mit von Krieg, Gewalt, Flucht und Vertreibung betroffenen Frauenschicksalen in ausgewählten Werken der vier Sammlungen des Hauses auseinander. Sie finden zugunsten der Hilfsorganisation Care Österreich statt, die in weltweiten Nothilfe- und Entwicklungsprojekten Frauen und Mädchen unterstützt.

"Die Kunstgeschichte zeigt, dass oft Mädchen und Frauen das Schicksal von Krieg und Gewalt besonders hart getroffen hat", sagt KHM-Generaldirektorin Sabine Haag. "Darüber hinaus gibt es jedoch auch eindrucksvolle historische Beispiele von Frauen, die sich trotz aller Widrigkeiten als mutige Kämpferinnen, kluge Strateginnen oder namhafte Künstlerinnen hervorgetan haben."

Genau deren Geschichte soll den Besuchern auf den vier Sonderführungen zum Weltfrauentag näher gebracht werden, so Haag. In der ägyptisch-orientalischen Sammlung zum Beispiel ist Migration ein zentrales Thema auf dem Weg hin zu mehr Einfluss der Frau: Kriegerische Pharaonen zogen aus, um das aufstrebende Herrschaftsgebiet des Alten Ägyptens zu vergrößern - und das Land blieb zurück unter der Regentschaft der Königinnen. Sie pflegten diplomatische Beziehungen und korrespondierten mit benachbarten Herrscherhäusern. Währenddessen schufen sich Generationen von deportierten Männern und Frauen ein Leben unter der fremden Sonne Ägyptens.

Auch in der griechischen und römischen Mythologie und Kunst spielten Frauen eine zentrale Rolle. Als Verführerinnen, Weissagerinnen und Musen (zu sehen auf dem Musensarkophag) - aber auch als Kriegerinnen. Ein Werk der Antikensammlung, das dieses kämpferische Frauenvolk eindrucksvoll in Szene setzt, ist der Amazonensarkophag. Zum mythischen Thema der Amazonen treten historische Frauenpersönlichkeiten wie Kleopatra, ihre Beziehung zu Marc Anton und ihr tragisches Ende nach der Seeschlacht von Actium.

Wenige Selbstbildnisse


In den Sälen der Kunstkammer finden sich zahlreiche Darstellungen von Frauen als Opfer meist männlicher Gewalt, wie etwa die mythische Entführung der phönizischen Prinzessin Europa durch Zeus aus dem Gebiet des heutigen Libanon oder Syriens. Doch Frauen haben auch aktiv Geschichte geschrieben: Margarete von Österreich und Maria von Ungarn zum Beispiel, beide sind in der Kunstkammer gegenwärtig.

Die Bilder der Gemäldegalerie erzählen schließlich erschütternde und beispielhafte Geschichten von Frauenschicksalen vergangener Epochen. Der etruskische Königssohn Sextus Tarquinius etwa vergewaltigte die tugendhafte Römerin Lucretia. Nach deren Selbstmord führte ihr Ehemann Collatinus den Aufstand gegen die Etrusker an. Dieser markiert den Beginn der Römischen Republik. Das Alte Testament berichtet wiederum von der unerschrockenen Judith, die den assyrischen Feldherrn Holofernes tötete und so das Gottesvolk der Juden rettete. Starke Frauen sind in der Gemäldegalerie auf eine weitere, eindrucksvolle Weise präsent: als Künstlerinnen. Deren Werke beschließen die Sonderführungen - darunter auch einige der wenigen Selbstbildnisse von Frauen.