Wien. Eigentlich sind es nur Zickzack-Linien. Ein endloses Auf und Nieder durch gebirgige Profile. Was sich hinter den vom Seismografen aufgezeichneten Hirnströmen, Muskelaktivitäten und Augenbewegungen verbirgt, ist aber um vieles mehr: Es ist die Geschichte eines Schlafes, aufgenommen in einem jener Labors, an die sich Menschen mit Schlafstörungen oder für Forschungszwecke wenden können. Dass Menschen quasi im Schlaf geholfen wird, ist ein relativ junges Gebiet der Medizin, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Heute, Freitag, ist Weltschlaftag.

Wie intensiv uns Träume und vor allem Alpträume beschäftigen, hat eine aktuelle Studie der GfK Marktforschung Nürnberg ergeben. Demnach haben rund 14 Prozent der Menschen über 14 Jahren immer die gleichen Alpträume. Am häufigsten handeln diese von einem Sturz in die Tiefe (37 Prozent), gefolgt von der Verfolgung durch andere Menschen und der Verspätung bei einem wichtigen Termin. Aber auch die Angst davor, bei Prüfungen zu versagen (rund 13 Prozent) oder den Job zu verlieren (7 Prozent) verfolgt uns bis in den Schlaf hinein.

"Es passiert alles gleichzeitig"


Doch was bedeuten diese Träume? Ist es die Verarbeitung von Erlebtem - oder die Angst vor Zukünftigem? "Keines von beiden", sagt die Schlafforscherin Brigitte Holzinger vom Institut für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien. "Das ist ja das Paradoxe des Traumes, es passiert alles gleichzeitig. Wir als Gestalter formen das Erlebte zu etwas, das wir im Traum neu erleben."

Für den Alptraum vom Sturz in die Tiefe zum Beispiel könnte das bedeuten, dass wir Angst haben, die Kontrolle zu verlieren. Was die ständig wiederkehrende Prüfungsangst betrifft, die uns mitunter schweißgebadet von einer fiktiven Maturaarbeit aufwachen lässt, "so spiegelt das vielleicht die prototypische Situation wider, wie wir mit Leistung umgehen", so Holzinger. Der Großteil der Betroffenen habe die Matura ohnehin geschafft. Die prägende Angst davor, zu versagen, begleite uns aber ein Leben lang.

Welche Gründe oder Motive konkret hinter den einzelnen Träumen stehen, ist Holzinger zufolge schwer zu verallgemeinern. "Ohne den Träumer selbst kann man das gar nicht eruieren", sagt sie zur "Wiener Zeitung". Denn Träume seien stets Gefühle - in bewegten Bildern dargestellt.

Wer nachts häufig Prüfungen entgegenschwitzt, in die Tiefe stürzt oder verfolgt wird, sucht mitunter Hilfe bei Holzinger. Die Psychologin gilt als Expertin für die psychotherapeutische Behandlung bei Alpträumen - und zwar mittels Klarträumen. Von einem Klartraum (auch luzider Traum genannt) spricht man dann, wenn man sich bewusst ist, dass man träumt. Rund 20 Prozent der Menschen können diesen Zustand spontan erreichen, der einen im Traum die wunderbarsten Dinge erleben lässt, weil man sie willentlich steuert. Man kann sich sogar selbst wecken.