Wien. Eine Frau in Frankreich soll bereits daran gestorben sein. Bei 18 weiteren sei das Phänomen ebenfalls aufgetaucht, berichtet der Vize-Direktor der Behörde für Medikamentensicherheit, François Hebert, der Zeitung "Le Parisien": Die Frauen verband, dass sie Brustimplantate trugen und man die Zunahme einer seltenen Krebsart bei ihnen beobachtete. Hebert zufolge sei eine mögliche Konsequenz, Implantate in Frankreich zu verbieten.

"Wir haben vergangenes Jahr einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Implantaten und dem großzelligen anaplastischen Lymphom gezeigt", sagt auch der Wiener Pathologieforscher Lukas Kenner vom Ludwig Boltzmann Institut. Bösartige Veränderungen im Narbengewebe rund um die Brustimplantate könnten diese aggressive Krebsform auslösen, die für gewöhnlich in Lymphknoten und häufig bei Kindern auftritt.

Grund zur Panik besteht laut Kenner jedoch nicht. Weltweit seien 71 Fälle bekannt, in Österreich sei es kein einziger. Das Risiko, als Brustimplantat-Trägerin an dieser Krebsart zu erkranken, liege zwischen eins zu 500.000 und eins zu drei Millionen. Zum Vergleich: In Österreich leben hoch angesetzten Schätzungen zufolge 90.000 Frauen mit Silikonbusen.

"Risiko für österreichische Frauen verschwindend gering"


"Das Risiko für österreichische Frauen ist daher verschwindend gering", sagt auch Angelika Reiner, Vorständin der Österreichischen Gesellschaft für Senologie (Lehre von der weiblichen Brust). Implantate zu verbieten, hält sie daher für eine überzogene Reaktion - wenngleich Frankreich freilich besonders sensibel auf das Thema reagiert: 2013 ist Jean-Claude Mas, Gründer der französischen Firma Poly Implant Prothese (PIP), zu vier Jahren unbedingter Haft und 75.000 Euro Geldstrafe verurteilt sowie mit einem Berufsverbot belegt worden. Eine Mutter hatte Anzeige wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung erstattet, nachdem deren Tochter, die PIP-Implantate trug, an Krebs gestorben war. In Folge hat eine Versicherung an fast 4500 Opfer eine Entschädigung in Höhe von rund drei Millionen Euro bereitgestellt. Im Durchschnitt zahlte sie pro Kopf 650 Euro. 73 Betroffene aus Österreich hoffen weiter auf Entschädigungen. PIP hatte weltweit hunderttausende Implantate verkauft, die mit billigem Industrie-Silikon gefüllt waren. Die Kissen reißen schneller und können Entzündungen hervorrufen.