Wien. Einer der einst mächtigsten Beamten im Justizministerium befindet sich jetzt selbst im Fokus der Justiz. Das Justizministerium lässt im Zusammenhang mit der Causa des am 24. Februar erhängt in seiner Zelle gefundenen Rakhat Aliyev das Vorgehen des langjährigen Sektionschefs für Strafrechtsgesetzgebung, Roland Miklau, auf mögliche strafrechtliche Vergehen prüfen. Aliyev war seit Juli 2014 in U-Haft. Der kasachische Ex-Botschafter soll zwei Bankmanager entführt und ermordet haben.

Miklaus Tätigkeit für die Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner hatte justizintern schon seit längerem für Diskussionen gesorgt. Denn nach seiner Pensionierung 2006 hatte Miklau 2011 damit begonnen, sich in Sachen Aliyev für die Anliegen des mit ihm befreundeten Wiener Rechtsanwalts Gabriel Lansky starkzumachen.

Miklau regte Europäischen Haftbefehl gegen Aliyev an


Lansky vertritt seit 2009 für den kasachischen Verein "Tagdyr" unter anderem die Interessen der Witwen der zwei kasachischen Bankmanager. Weil die österreichische Justiz die Auslieferung des in Kasachstan in Abwesenheit verurteilten Aliyev ablehnte, selbst aber zunächst nicht mit Nachdruck gegen diesen vorging, versuchte Lansky ihr Beine zu machen. Dabei war ihm unter anderem Miklau behilflich.

Wie die der APA vorliegenden schriftlichen Unterlagen belegen, sprach Miklau im Mai und im September 2011 bei seinem Nachfolger Christian Pilnacek vor. Miklau regte unter anderem bei Pilnacek die Erlassung eines Europäischen Haftbefehls gegen Aliyev an - mit Erfolg.

Für Miklau gibt es keinen Grund, sein damaliges Vorgehen kritisch zu hinterfragen oder bedenklich zu finden, betonte er gegenüber der APA.

Ganz anders sieht das der langjährige Rechtsvertreter Aliyevs, Manfred Ainedter: "Es macht einen gravierenden Unterschied, ob der Amtsvorgänger zu Pilnacek geht oder jemand anderer."