Wien. Kosten durch Klingelton-Abos, Handy-Spiele und dubiose Gewinnspiele ohne Gewinn sorgen für Ärger. Die Beschwerden über unerwartet hohe Handyrechnungen durch sogenannte Contentdienste haben sich im Vorjahr durch die gestiegene Nutzung von Datendiensten mehr als verdoppelt. In 1400 der insgesamt 3879 Schlichtungsverfahren musste die Schlichtungsstelle der Telekom-Regulierungsbehörde RTR im Vorjahr wegen kostenpflichtiger Dienste eingreifen. Etwa im Fall von Herrn K., dessen zehnjähriger Sohn über das Smartphone seines Vaters kostenpflichtige Spiele und Zusatzpakete bestellte. Der Vater bemerkte die Einkäufe erst, als die Handyrechnung 1500 Euro ausmachte. Die RTR vermutet indes, dass die Zahl der betroffenen Nutzer, die sich nicht an die Schlichtungsstelle wenden, um ein Vielfaches über der Zahl der Beschwerden liegt.

Dubiose Praktiken


"Unser Problemkind sind Contentdienste", sagt RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl und beschreibt "dubiose Praktiken": Bei Gewinnspielen gibt es nichts zu gewinnen, und vor allem Kinder kaufen imaginäre Werteinheiten für Handy-Spiele. Oft wird beim Bestellen von Musik, Klingeltönen oder Videos am Ende unwissentlich ein Abo bestellt. Bezahlt wird durch Tippen auf Schaltflächen, eine Authentifizierung (etwa via PIN-Code) ist grundsätzlich nicht nötig. Auf der Handyrechnung scheinen die Einkäufe unter unterschiedlichen Bezeichnungen wie "Premium SMS & Dienste", "Ihr Einkauf", "Einkauf digitale Güter extern", "Entgelte für Online Dienste & Downloads" oder "WAP-Billing" auf - das trägt laut Gungl zur Verwirrung bei.

Zwar können Nutzer beim Mobilfunkanbieter Contentdienste für ihre Nummer sperren lassen, im Gegensatz zu Mehrwertdiensten (darunter fallen Nummern mit der Vorwahl 0900) sind Contentdienste jedoch derzeit nicht gesetzlich geregelt. Die RTR hat deshalb einen Gesetzesvorschlag beim Infrastruktur- und Technologieminister deponiert. Minister Alois Stöger kündigte am Montag für Herbst Änderungen im Rahmen der Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) an.

Neben Schutzmaßnahmen wie einem Kostenlimit sieht der Vorschlag vor, dass Contentdienste mit einer klaren und einheitlichen Bezeichnung auf der Handyrechnung ausgewiesen werden. Die RTR hat vorgeschlagen, dass Nutzer bei einem Abo nach maximal 10 Euro eine neuerliche Zustimmung erteilen müssen.