Ludwig Steiner

Wien. Mit Ludwig Steiner ist eine der interessantesten politischen Persönlichkeiten Österreichs verstorben. Der Tiroler hatte über 93 Jahre ein bewegtes Leben: Widerstandskämpfer, Zeitzeuge der Staatsvertrags-Gespräche, Staatssekretär im Außenministerium, Vorsitzender des Lucona-U-Ausschusses und schließlich aktiv bei der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern.

Ludwig Steiner war bis ins hohe Alter ein heller Kopf. Keine zwei Monate ist es her, dass er angesichts des Staatsvertrags-Jubiläums die Geschehnisse des Jahres 1955 in Interviews Revue passieren ließ. Den 15. Mai 1955 bezeichnete er da in der "Kleinen Zeitung" als den wichtigsten Tag seines politischen Lebens. Im gleichen Atemzug hob Steiner hervor, 1945 dabei gewesen zu sein, als eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern Innsbruck von den Nazis befreit hatte.

Im Widerstand aktiv

Bereits von 1943 an hatte der am 14. April 1922 in Innsbruck Geborene im Widerstand gewirkt. Sein Vater, Bäckermeister und christlich-sozialer Politikers, starb an den Folgen von Misshandlungen im Konzentrationslager. Ludwig Steiner erlitt im Kriegseinsatz an der sogenannten Eismeerfront schwere Verletzungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Steiner, der das Studium der Wirtschaftswissenschafter mit dem Doktorat abschloss, Sekretär des Tiroler Landeshauptmanns Karl Gruber, später Sekretär des Innsbrucker Bürgermeisters Anton Melzer, ehe er in den diplomatischen Dienst trat und in Paris tätig war. Von September 1952 bis November 1953 war er wieder an der Seite Karl Grubers angelangt, diesmal als Sekretär des damaligen Außenministers.

Sekretär von Bundeskanzler Julius Raab

Als Sekretär von Bundeskanzler Julius Raab nahm Steiner an den Staatsvertragsverhandlungen teil und soll auch an der bekannten Raab-Formulierung "Österreich wird frei. Wir bekommen unseren Heimatboden in seiner Gänze zurück ..." mitgewirkt haben.

Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Gesandtschaftsleiter in Sofia übernahm Steiner 1961 die Funktion des Staatssekretärs im Außenministerium, die er bis 1964 ausübte. Von 1964 bis 1972 war er österreichischer Botschafter in Griechenland und Zypern, 1972 wurde er schließlich zum Leiter der politischen Sektion und zum stellvertretenden Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten ernannt. Von 1979 bis zur Nationalratswahl 1990 gehörte Steiner als Tiroler Abgeordneter dem Nationalrat an. Bekannt wurde er dabei für seine Vorsitzführung in den Untersuchungs-Ausschüssen zur Lucona-und zur Noricum-Affäre sowie zu den Draken.

Steiner setzte sich insbesondere für die Menschenrechte und die Belange Südtirols ein. Er war Vizepräsident der Union Europäischer Christdemokraten (UECD) und Ehrenmitglied von Europarat und Südtiroler Volkspartei. Von 1989 bis 1996 war Steiner Präsident der Politischen Akademie der ÖVP. Seine letzte große öffentliche Funktion war die des Vorsitzenden des Komitees des österreichischen Versöhnungsfonds über die Entschädigungszahlungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter.

Steiners Frau Danielle, mit der er mehr als 51 Jahre verheiratet war, war bereits vor neun Jahren verstorben. Der Ehe entstammten ein Sohn und eine Tochter.