Wien. 3.650 Flüchtlinge sind alleine am Montag aus Ungarn kommend am Westbahnhof eingetroffen. Lediglich sechs Afghanen hätten einen Asylantrag gestellt, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer Dienstagfrüh. Der Rest sei bereits in Zügen Richtung Salzburg und Deutschland weitergereist.

Viele Flüchtlinge hatten die Nacht auf Dienstag auf dem Wiener Westbahnhof verbracht. Bereits in den frühen Morgenstunden haben viele ihre Weiterreise nach Deutschland angetreten. Um 6.30 Uhr fuhr der erste Railjet nach München. Bereits am Montag hatten mehrere Hundert Migranten die bayrische Hauptstadt mit dem Zug aus Ungarn via Wien erreicht.

Ungarn sperrt Ostbahnhof

Inzwischen hat auch Ungarn reagiert. Der Ostbahnhof in Budapest wurde gesperrt, der Zugverkehr dort eingestellt, meldet die staatliche Nachrichtenagentur MTI. Vor dem Bahnhof warten Hunderte Flüchtlinge darauf, über Österreich nach Deutschland ausreisen zu können.

ÖBB stellten Zug zur Verfügung

Die Flüchtlinge schliefen in einem von der ÖBB zur Verfügung gestellten Zug bzw. in einem leerstehenden Bürogebäude in der Nähe des Bahnhofes, wie der Geschäftsführer der Caritas Wien, Alexander Bodmann, mitteilte.

Die Polizei verhielt sich nach Ansicht des Caritas-Leiters "zurückhaltend". Eine "lückenlose" Kontrolle sei derzeit nicht möglich, hatte Polizeisprecher Roman Hahslinger zuvor erklärt. "Österreich gibt den Versuch, Migranten zu filtern, offensichtlich auf", kommentierte die Nachrichtenagentur Reuters.

Faymann: Solidarität ist keine Einbahnstraße

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann seinen ungarischen Amtskollegen am Montagabend im ORF-Fernsehen kritisiert. "Dass die in Budapest einfach einsteigen (...), und man schaut, dass die zum Nachbarn fahren - das ist doch keine Politik", sagte Faymann zur aktuellen Entwicklung. Ungarns Regierungschef Viktor Orban müsse dafür sorgen, dass in seinem Land Gesetze eingehalten würden und es Kontrollen gebe. "Wo ist denn da der starke Regierungschef der immer auffällt durch besonders undemokratische Maßnahmen", sagte Faymann.

Zuvor waren Flüchtlinge in mehreren Zügen aus Budapest nach Österreich eingereist. Auch in Wien gab es Reuters-Augenzeugen zufolge keine Polizeikontrollen, als viele von ihnen in Züge zur Weiterfahrt nach Deutschland umstiegen. Auf ihrer Flucht in den Westen und Norden Europas nehmen viele die sogenannte "Balkan-Route" durch Mazedonien, Serbien und Ungarn weiter nach Österreich und Deutschland.

Faymann mahnte, Europa müsse zusammenstehen, um eine Lösung für das Problem zu finden und eine faire Verteilung der Flüchtlinge auf alle Mitgliedsstaaten zu erreichen. Länder wie Großbritannien, Tschechien, die baltischen Staaten oder Polen könnten sich vor der gemeinsamen Verantwortung nicht drücken. Sollten sie sich nicht mit Argumenten überzeugen lassen, könnte der Rest der EU ihnen Förderungen entziehen. "Die nächsten Finanzrahmenverhandlungen kommen bestimmt. Es gibt Forderungen einzelner Länder - wenn ich nur an die Briten denke, die sich einen eigenen Katalog wünschen, was wir alles für sie tun sollen. Da muss man sagen, Solidarität ist keine Einbahnstraße", sagte Faymann.