Wien. Zucker und Säure in perfekter Relation: Die Witterung der vergangenen Monate war für den heranreifenden Wein ideal. Er wird süß, vollreif und kräftig, prognostizierte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager am Donnerstag. "Für die Lese werden heuer hochqualitative Trauben erwartet", sagte er. Nach dem schwierigen Weinjahr 2014 erwarte man für dieses Jahr eine Erntemenge von 2,4 bis 2,5 Millionen Hektoliter.

Laut Statistik Austria soll es sogar ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Produktionsschnitt der vergangenen fünf Jahre geben. Deren Vorschätzungen zufolge werden die Winzer 1,5 Millionen Hektoliter Weißwein und 841.212 Hektoliter Rot- und Roséwein ernten können. Die Ausbeute des Vorjahres lag 25 Prozent unter dem Durchschnitt.

Junganlagen an ihrer Belastungsgrenze


"Dieses Jahr rechnen wir mit einem sehr guten, vollreifen Jahrgang mit einem etwas höheren Alkoholgehalt und geringerer Säure als 2014", so Schmuckenschlager. Auf die Preise sollte sich das nicht auswirken. Der Weinbaupräsident geht davon aus, "dass wir diese bei den Qualitätsweinen halten können".

Die Qualität des heurigen Weines nahm bereits im Winter seinen Anfang. Der Weinbau sei mit ausreichender Winterfeuchte und nach einem schönen Frühjahr in die Blütezeit gestartet. Diese war nicht zu feucht und nicht zu heiß. Allein Anfang Mai -in der frühen Vegetationsperiode - gab es regional Hagelschäden. Vor allem das Krems- und Kamptal waren betroffen, rund 3000 Hektar wurden hier schwer beschädigt.

Dann kam die große Hitze des Sommers mit Temperaturen jenseits der 30 Grad, die freilich Junganlagen an ihre Belastungsgrenze brachte. Dort, wo es möglich war, mussten Winzer bewässern. Die älteren Weinstöcke aber, die mit ihren tiefen Pfahlwurzeln Wasser aus den unteren Bodenschichten holen konnten, profitierten von der Sonne.

Dass es Mitte August zu regnen begann und es eine letzte Hitzewelle gab, habe die Trauben optimal reifen lassen, so Schmuckenschlager. Fäulnisgefahr bestehe noch nicht, weil die Böden noch immer sehr trocken seien. Die derzeit kühleren Temperaturen sind für einen stabilen Säurewert wichtig - und für eine gute Aromaentwicklung.

Für den Grünen Veltliner, den Riesling und Burgundersorten sei das optimal, aber auch die Rotweintrauben zeigten eine gute Entwicklung. "Zweigelt und Blaufränkisch haben hohe Zuckerwerte und ein gesundes Traubenmaterial", sagt Schmuckenschlager. Österreich müsse vor allem auf den Zweigelt mit seiner fruchtigen Note setzen, damit Kunden nicht auf das Ausland ausweichen.

Die Lese der Most- und Sturmtrauben hat rund um den Neusiedlersee bereits begonnen, die Hauptlese im Burgenland soll in der ersten Septemberhälfte starten. Niederösterreich und die Steiermark folgen in der zweiten Monatshälfte.

Nächstes Jahr wird dann für Winzer einiges anders werden - zumindest was deren Anbaufläche betrifft. Denn am 1. Jänner tritt das neue Rebflächensystem der EU in Kraft. Die wesentliche Änderung: Künftig dürfen Winzer nur dann einen Weingarten auspflanzen, wenn sie davor eine gleich große Fläche gerodet oder dafür eine (kostenlose) Genehmigung von der Bezirksverwaltungsbehörde eingeholt haben. Pro Mitgliedstaat dürfen allerdings nur Neuauspflanzungen von bis zu einem Prozent der gesamten Weinanbaufläche genehmigt werden. Länder wie Großbritannien oder Dänemark, wo es so gut wie keinen Weinbau gibt, fallen nicht unter diese Regelung.

Neues EU-Rebflächensystem, um Wildwuchs vorzubeugen


Für Österreich, das über 45.000 Hektar Anbaufläche verfügt, sind das 450 Hektar jährlich. Geht man davon aus, dass nicht jeder gerodete Weingarten wieder bebaut wird, "bleibt in Summe ungefähr jene Fläche, die nötig ist, damit wir unser derzeitiges Weinbaupotenzial erhalten können", sagt dazu Josef Glatt vom Weinbauverband in der Landwirtschaftskammer zur "Wiener Zeitung". Vor allem aber könne man damit Wildwuchs vorbeugen, wie er etwa in den USA passiere.

Um keinen internen Markt mit der neuen Regelung zu schaffen, dürfen die Winzer, die eine Fläche gerodet oder genehmigt bekommen haben, die Rechte auf die Auspflanzung an keine anderen Betriebe weitergeben, so Glatt. Langfristiges Ziel sei, dass auch jene Gebiete, die noch keinen Wein haben, eine Chance bekommen. Konkret bedeutet das laut Glatt: "Auch in den Skigebieten im Westen sollen Touristen österreichischen Wein aus der Region zu trinken bekommen."