Wien. (ede) Die kirchenkritische katholische "Laieninitiative" macht wieder von sich reden. Am Donnerstag präsentierten die Proponenten der Bewegung, der frühere ÖVP-Generalsekretär und Volksanwalt Herbert Kohlmaier und der emeritierte Linzer Völkerrechtler Heribert Köck, das Dokument "Die Kirche von morgen". In Form eines fiktiven Apostolischen Schreibens eines künftigen Papstes beschreibt die Initiative "Was ein Reformkonzil beschließen muss, um den Niedergang abzuwenden" und stellt damit so gut wie alles heute Gültige infrage.

Vertrauenswürdigkeit wiedererlangen

"Wenn Sie das Dokument lesen, denken Sie sich vielleicht, dass das alles unrealistisch ist", sagte Kohlmaier am Donnerstag vor einer Handvoll Journalisten, die zur Vorstellung des Dokuments gekommen waren. Damit die katholische Kirche wieder Vertrauenswürdigkeit erlangen könne, müsste ein Reformkonzil etwa entscheiden, dass die Wiederverheiratung Geschiedener zulässig sei und den Zölibat auf freiwillige Basis stellen.

Die Ersetzung der Kindertaufe durch eine feierliche Aufnahme in die Kirche und die Öffnung aller Kirchenämter für Frauen sind weitere zwei Punkte von insgesamt 124. "Unsere Zeit braucht keine Vorschriftenreligion", betonte Kohlmaier. Und: "Der Mensch muss das Anliegen der Kirche sein und nicht umgekehrt." Papst Franziskus löse sich von vielem, was vor ihm sakrosankt gewesen sei, stoße aber auf erbitterten Widerstand der "Ewiggestrigen". Franziskus könne das System in der Zeit, die ihm noch zur Verfügung stehe, nicht verändern.

Der Schlüssel für die Zukunft der Kirche liege in den Gemeinden, wo fortschrittlich gesinnte Priester Großartiges leisten würden, sagt Kohlmaier.

Der Impuls zur Gründung der "Laieninitiative", die auch mit anderen Kirchenreformbewegungen zusammenarbeitet, war die Sorge über den immer drückender werdenden Priestermangel. Dem Seelsorgenotstand sollte durch die Reaktivierung der wegen einer Eheschließung aus dem Amt entfernter Priester, die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und die Weihe und Ermächtigung von "viri probati" zur Durchführung sakramentaler Handlungen entgegengewirkt werden.

Neben Kohlmaier waren bei der Gründung 2009 die ÖVP-Altpolitiker Erhard Busek und Andreas Khol mit im Boot.