Wien. Das Solidaritätskonzert "Voices for Refugees" am Wiener Heldenplatz hat am Samstagnachmittag bei regem Publikumszustrom begonnen. "Ein gerechtere Welt ist möglich", sagte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger in seiner Eröffnungsrede. Der italienische Rockstar Zucchero, am Abend mit Wiener Kinderchor auf der Bühne, meinte im APA-Interview über die Veranstaltung: "Es ist der richtige Moment dafür."

"Die meisten von uns haben anstrengende Wochen der Hilfe hinter uns", betonte Fenninger. "Aber auch der erfreulichen Momente." Der Heldenplatz als Ort der musikalischen Kundgebung sei "nicht zufällig gewählt", so der Direktor der Volkshilfe, die das Konzert veranstaltete. Man werden es nicht zulassen", dass sich die Fehler der Vergangenheit wiederholen. "Massenelend hat schon einmal zum Faschismus geführt, das werden wir zu verhindern wissen", sagte Fenninger unter donnerndem Applaus.

"Der Staat hat nichts gemacht"

Das Kabarett-Team Maschek, das den künstlerischen Anfang machte, nahm vor einer Darbietung ihres aus der TV-Sendung "Willkommen Österreich" bekannten Programmes ebenfalls Stellung: Dieser Tag sei "nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für die Helfer, die dem Staat aus der Bredouille geholfen haben." Denn der Staat habe "nichts gemacht".

Nachdem Singer-Songwriter Thomas David, Sieger bei "Die große Chance", einen Song zum Besten gegeben hatte, interpretierte Kabarettist und Schauspieler Thomas Stipsits sehr gelungen "Der alte Wessely". Das Lied von Georg Danzer erzählt von einem Nazi-Sympathisanten, der sich zum neuen Führer aufschwingt. "Und es gibt schon wieder einen jungen Wessely", sang Stipsits.

Politiker mit Gewissen

"Österreich ist das erste Land, das so etwas macht", sagte Zucchero vor seinem Auftritt im Interview mit der APA über "Voices for Refugees". "Ich versteh nicht, warum nicht schon längst überall in Europa solche Konzerte organisiert werden". Die Reaktion von Österreich auf den Zustrom der Flüchtlinge sei "gut" gewesen, lobte der 60-Jährige. "Ich weiß, wir stehen vor großen Problemen. Es gibt viele Menschen ohne Job, die nun fürchten, dass es noch weniger Arbeit gibt, wenn da so viele Zuwanderer kommen. Aber wenn sich Politiker mit Gewissen und dem Willen einer Problemlösung zusammensetzen würde, könnten Wege gefunden werden, Flüchtlinge langsam und langfristig zu integrieren und gleichzeitig der Bevölkerung die Ängste zu nehmen."

Für Zucchero, der in seiner Karriere viele Benefizkonzerte mit Kollegen wie Luciano Pavarotti, Bono und Sting gegeben hat, sei es selbstverständlich, beim "Voices for Refugees" mitzuwirken: "Ich habe Glück. Ich kann das Leben führen, das ich mag. Und wenn man glücklich ist, sollte man jenen Menschen helfen, die dieses Glück nicht haben. Ich wirke hier nicht aus politischen oder religiösen Gründen mit, sondern weil es mich traurig macht, wenn ich Familien mit Kindern auf Flucht sehe."

"Europa wacht ein bisschen spät auf", analysierte Zucchero. Die Reaktion mancher Politiker rufen bei ihm ein Kopfschütteln hervor: "Ich verstehe nicht, warum einige europäische Länder keinen Weg finden wollen, diesen Leuten zu helfen. Und es macht mich auch traurig, dass Parteien die Flüchtlinge instrumentalisieren, um Ängste zu schüren. Natürlich muss man kontrollieren, wer ins Land kommt. Aber der überwiegende Teil der Flüchtlinge kommt, weil sie vor Gewalt in ihrer Heimat davonlaufen."

Wie Kulturen miteinander verschmelzen können, zeigten Salah Ammo und Peter Gabis mit ihrer kurzen Weltmusik-Darbietung. Ammo war 2013 aus Syrien nur mit seiner Bouzouk - einer syrischen Langhalslaute - nach Österreich gekommen. Viel Applaus gab es beim Duo Christoph & Lollo. Zu diesem Zeitpunkt war der Zustrom der Demoteilnehmer auf den Heldenplatz enorm.