Am meisten hadern Menschen mit dem Tod, wenn es ihr eigenes Kind trifft. - © Luiza Puiu
Am meisten hadern Menschen mit dem Tod, wenn es ihr eigenes Kind trifft. - © Luiza Puiu

Wien. Wahrscheinlich braucht ein Mensch so etwas wie einen Friedhof. Vor allem um Allerheiligen herum pilgern Angehörige und Freunde zu den Gräbern der Verstorbenen, um sich an sie zu erinnern. Den Rest des Jahres laufen sie eher vor dem Tod und dem Gedanken daran davon. Brauchen sie aber nicht, sagt Sterbeforscher Bernard Jakoby. Der Deutsche hat sich intensiv mit Nahtoderfahrungen und Nachtodkontakten beschäftigt und Menschen beim Sterben als auch beim Trauern begleitet. Sein Zugang zu dem Thema: Auf dem Friedhof liegt nur die leere Hülle begraben. Der Mensch selbst sei ein ewiges geistiges Wesen.

"Wiener Zeitung": Wenden sich Betroffene, die einen Angehörigen oder Freund verloren haben, vermehrt zu Allerheiligen an Sie?

Bernard Jakoby: Gestorben wird ja immer. Nicht nur im November. Sie kommen gleichmäßig übers Jahr verteilt, obwohl jetzt natürlich schon die Jahreszeit ist, in der man sich am ehesten mit dem Thema auseinandersetzt.

Womit hadern die Menschen am meisten, wenn es um Tod und Sterben geht?

Mit einem plötzlichen Tod. Wenn Sie sich vorstellen, ihr Mann verlässt morgens das Haus und Sie bekommen zu Mittag einen Anruf, dass er verunfallt ist, dann ist das schon ein Schock, weil man nicht damit rechnet. Oder wenn ein Kind stirbt. Bei einer längeren Krebserkrankung zum Beispiel kann man sich drauf einstellen. Obwohl das die meisten auch nicht tun, sie sind dann genauso fassungslos.

Weil der Zeitpunkt des Todes das Einzige in unserem hochkontrollierten Leben ist, das man nicht einplanen kann?

Wir wissen nie, wann und in welcher Gestalt er in unser Leben tritt. Aber wir müssen den Tod gar nicht fürchten. Ich denke, jeder hat die Möglichkeit, sich vorher einen Standpunkt zuzulegen. Durch meine Gespräche weiß ich zum Beispiel, dass Menschen ganz häufig Nachtodkontakte erleben. Das heißt, man spürt die Gegenwart eines Verstorbenen. Auch meine Mutter hat sich im Augenblick ihres Todes von mir verabschiedet. Ich habe gespürt, wie ihre Seele durch mein Herz gegangen ist. Und tatsächlich ist sie in diesem Augenblick gestorben. Nur wenn man dichtmacht, können die Verstorbenen nicht mehr durchkommen.

Aber Beweise sind diese Nachtodkontakte keine. Vielleicht bildet man sie sich nur ein, um sich zu trösten?