Wien. Es ist eine Krankheit, die sich rasch ausbreitet und die intensive Betreuung braucht. Rund 130.000 Österreicher leiden an Demenz, 500.000 weisen eine Vorstufe der Krankheit auf. Rund 60 bis 80 Prozent der Demenzerkrankungen ist Alzheimer-Demenz. Laut aktuellen Studien soll sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Weltweit leben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 47 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung.

Gleichzeitig gibt es immer weniger Forscher und Pflegekräfte. "Bei der Versorgung fehlt es an allen Ecken und Enden", sagte Andreas Winkler, Vizepräsident von Alzheimer Austria, am Donnerstag in einer Pressekonferenz anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria. "Das ist für die Angehörigen eine Katastrophe, weil die Krankheit den Verlust der Autonomie und Pflegebedürftigkeit bedeutet. Es ist keine harmlose Erkrankung, bei der man nur ein wenig vergesslich wird", betonte Winkler.

Ein Drittel aller älteren Personen, die in Österreich pro Jahr sterben, lebten laut Winkler mit einer Demenzdiagnose. "Wir haben es mit einer Krankheit zu tun, die sich epidemiehaft ausbreitet. Das riesige Problem dabei: Die Forscher verlassen das Gebiet." Eine Heilung der Krankheit rücke damit in weite Ferne.

Bereits nach vier Jahren verlassen rund 70 Prozent der Wissenschafter den Bereich der Demenzforschung, weil sie nicht als erfolgsversprechend gilt und es laut Winkler "lohnendere Betätigungsfelder" gibt. Vor allem in der medikamentösen Behandlung der Krankheit liege die Misserfolgsrate bei 99,6 Prozent.

Präventive Behandlungsmethoden würden allerdings greifen. "Alzheimer beginnt bereits rund 30 Jahre vor den ersten Symptomen. Übergewicht, Diabetes, wenig Bewegung, Depressionen, Rauchen und ein niedriges Bildungsniveau begünstigen die Krankheit. Eine aktuelle finnische Studie, die diese Faktoren berücksichtigte, konnte belegen, dass sich das Alzheimerrisiko durch die Prävention dieser Risikofaktoren um 30 Prozent verringern ließe", sagte Winkler.

Durch die wachsende Zahl an Demenzkranken in Österreich werden nach Schätzungen der Experten in den nächsten Jahren 20.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Doch schon jetzt mangelt es an qualifizierten Fachkräften, in wichtigen Anlaufstellen würde Personal abgebaut.