Wien. Im Blaulichtfunkprozess sind am Montagabend die beiden Angeklagten zu unbedingten Haftstrafen verurteilt worden. Der Lobbyist und Jagdveranstalter Alfons Mensdorff-Pouilly wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, der Ex-Telekom-Festnetzvorstand Rudolf Fischer erhielt ein Jahr Haft. Mensdorff muss auch den Schaden von 1,1 Mio. Euro plus vier Prozent Verzinsung wiedergutmachen.

Da sich Anklage wie Verteidigung drei Tage Bedenkzeit erbeten haben, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. In der Urteilsbegründung schloss sich Richter Michael Tolstiuk den Ausführungen des Gerichtssachverständigen an, wonach die Bezahlung der 1,1 Mio. Euro an Mensdorff durch die Telekom keine nachvollziehbare Leistungserbringung zugrunde liegt. Die beiden Angeklagten nahmen das Urteil gefasst auf.

Vergabe einer einheitlichen Funk-Infrastruktur

In der Causa Blaulichtfunk geht es um die Vergabe einer einheitlichen Funk-Infrastruktur durch den damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP). Das Funksystem mit Namen Tetron ist bis heute nicht flächendeckend eingeführt, was weitere Millionenkosten zur Folge hatte. Wobei das Projekt schon sehr holprig startete. Der ursprüngliche Zuschlag an ein anderes Konsortium wurde von Strasser zurück gezogen - angeblich weil die Auftragnehmer die Vorgaben nicht erfüllen konnten. Gleichzeitig wurde dem ausgeschiedenen Konsortium aber ein Schadenersatz von über 30 Mio. Euro gezahlt.

Den endgültigen Zuschlag erhielt dann ein Konsortium aus Motorola und Alcatel, Technologielieferant war die Telekom Austria.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

Die Causa war auch Gegenstand eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der zum Teil bedenkliche Verquickungen zwischen Politik und Wirtschaft offenbarte. So soll die Frau eines Kabinettsmitarbeiters von Strasser bei der Telekom Austria beschäftigt gewesen sein, ohne einen Leistung erbracht zu haben, so der Vorwurf im Parlament und auch während des Strafrechtsverfahren. Dazu kamen private Einladungen an Kabinettsmitarbeiter zu Jagden von Mensdorff.

Mensdorff hatte in seinem Schlussplädoyer noch versucht zu erklären, warum es zu seinen Lobbyingaktivitäten für die Telekom keine schriftlichen Aufzeichnungen gegeben hat. Er könne nicht so gut schreiben, aber sehr gut reden, meinte er. Und Emails benutze er sowieso nicht.

Trennung von Maria Rauch-Kallat

Für den Lobbyisten, der sich während des Verfahrens als Landwirt bezeichnet hatte, war dies nicht die einzige schlechte Nachricht in den vergangenen Tagen. Am Wochenende wurde bekannt, dass er sich von seiner Frau, der Ex-ÖVP-Spitzenpolitikerin Maria Rauch-Kallat, getrennt hat. Und bei einer seiner umstrittenen Gatterjagden soll eine Tierschützerin verletzt worden sein, was Mensdorff allerdings bestreitet.