Wien. "Wenn ich gemeinsam mit Ihnen zu einem Christbaum-Produzenten gehe und mir die Bäume anschaue, kann ich Ihnen sagen, welchen Bäumen es gut geht", sagt Franz Raith, Obmann der "Arge Niederösterreich Christbaumproduzenten" und Präsident der Europäischen Christbaumbauern. "Und Sie sehen das auch. Denn nur ein Baum, der sich wohlfühlt, ist ein schöner Baum."

Hm - und wann fühlt sich ein Baum wohl? "Wenn Bäume so naturnah wie möglich gehalten werden", sagt Raith, "sie also vor einem ökologischen Hintergrund wachsen." In Österreich seien das mehr als zwei Drittel aller Christbäume, die nicht gespritzt werden und somit eigentlich Bio-Bäume seien. Allein - die Bezeichnung Bio-Baum tragen dürfen sie nicht. Denn das ist ausschließlich Christbäumen aus zertifizierten Bio-Betrieben vorbehalten, und deren Anteil liegt dem Umweltministerium zufolge bei weniger als einem Prozent. Denn eine eigene Kennzeichnung für Bio-Bäume gibt es nicht.

Biologische Baum-Kultur
dank Shropshire-Schafen


Das liegt vermutlich auch daran, dass jede Kennzeichnung mit Kontrollen und damit Aufwand verbunden ist. Jeder Bio-Betrieb wird regelmäßig kontrolliert, und er muss nachweisen, wo er was einkauft. Ein EU-zertifiziertes Kontrollorgan kommt mindestens einmal im Jahr unangemeldet zu Besuch.

Bio liegt jedenfalls im Trend - auch bei den Christbäumen. Heute würden etwa achtmal so viele Menschen wie vor sieben Jahren nach konkreten Informationen zum Thema Bio-Christbaum suchen, heißt es vom Verband österreichischer Umweltberatungsstellen "Die Umweltberatung". Die tatsächliche Kundschaft sei in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent angestiegen, so der Grundtenor unter den Bio-Christbaum-Verkäufern.

Der Oberösterreicher Franz Weingartner ist einer von ihnen. Neben der Christbaum- und Obstkultur betreibt er eine Schafzucht. Sowohl das Interesse an der Bio-Christbaum-Produktion als auch an der Schafhaltung steige stetig, sagt er - wobei beides eng zusammenhängt. Denn die spezielle Rasse der von ihm gezüchteten Shropshire-Schafe verbeißt sich nicht an den Bäumen. Wenn Weingartner die Tiere in seinen Christbaumkulturen grasen lässt, fressen sie daher ausschließlich das Gras, das den Bäumen Nährstoffe entziehen würde.

"Die Bäume sind dadurch kräftiger und weniger anfällig für Schädlinge", sagt Weingartner. Weitere positive Effekte: Der Schafdung wirkt wie Dünger, und die Wühlmäuse ziehen durch die zahlreichen Tritte der kleinen Hufe aus dem Boden unter den Bäumen aus.