Wien. Unter großem Medieninteresse hat Montagvormittag ein erneuter Prozess gegen Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner begonnen. Der 80-Jährige kam in Begleitung seiner Frau Ruth und eines Arztes in den Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts, wo schon 2007/08 der erste BAWAG-Prozess gegen ihn und weitere Angeklagte stattgefunden hatte.

Der jetzige Prozess vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Böhm findet ausschließlich auf Betreiben der BAWAG statt. Sie hat als Privatbeteiligte eine Subsidiaranklage erhoben, weil sie vom Ex-Banker dessen Pensionsabfindung in Höhe von 6,8 Mio. Euro zurückfordert.

Vorzeitig wegen Haftunfähigkeit entlassen

Der frühere BAWAG-Generaldirektor war im ersten BAWAG-Verfahren rechtskräftig zu 10 Jahren Haft, der Höchststrafe für Untreue, verurteilt worden. Er wurde nach viereinhalb Jahren Gefängnis 2011 für haftunfähig erklärt und entlassen. Elsner war der einzige BAWAG-Angeklagte, der hinter Gitter kam. Er hält sich seit seiner Freilassung im bayrischen Kurort Bad Reichenhall auf.

Der Oberster Gerichtshof (OGH) hatte im Dezember 2010 Teile des erstinstanzlichen BAWAG-Urteils von Richterin Claudia Bandion-Ortner aufgehoben: Der inkriminierte Betrug in Bezug auf Elsners Pensionsabfindung fiel weg, die Untreue blieb. Die Staatsanwaltschaft hat auf eine weitere Verfolgung Elsners im Anklagepunkt Betrug verzichtet, da dieser ohnehin schon die Höchststrafe bekommen hatte. Nicht so die im Verfahren als Privatbeteiligte auftretende BAWAG: Mittels einer Subsidiaranklage hält sie die Anklage aufrecht.

Im Falle eines Schuldspruchs wegen Betrugs droht Elsner aber keine neue Haftstrafe mehr, sondern die BAWAG könnte dann die Pensionsabfindung zurückfordern, die Elsner im Zuge seiner Pensionierung erhalten hatte. Er brachte das Geld in eine Privatstiftung ein und kaufte sich damit eine Villa in Südfrankreich.