Wien. Die einen glauben ausschließlich ans Christkind, die anderen an den Weihnachtsmann. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich eine Art Mischkultur entwickelt, in der beide ihre Berechtigung haben. Johannes Mayer würde sie auch beide vermitteln. Allein - das Christkind habe noch nie jemand gebucht, sagt der Leiter einer Werbeagentur, die etwa Weihnachtsmänner, Nikolos und Krampusse an den Festtagen zu Familien schickt. Warum das so ist und mit welchen irdischen Pannen sogar ein Weihnachtsmann zu kämpfen hat, erklärt Mayer, der mitunter selbst in ein Kostüm schlüpft, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Er sei viel lustiger als das Christkind, sagt Mayer. - © nikolauswien.at
Er sei viel lustiger als das Christkind, sagt Mayer. - © nikolauswien.at

"Wiener Zeitung": Würden wir an dieser Stelle ein Streitgespräch zwischen Christkind und Weihnachtsmann bringen - wäre der Weihnachtsmann überlegen?

Johannes Mayer:Das kann man so nicht sagen, weil es zwei ganz unterschiedliche Charaktere sind. Das Christkind ist keine reale Figur mit konkretem Gesicht oder bestimmtem Gewand. Das Christkind sieht man nicht. Es ist ein Mythos, den selbst Erwachsene noch nicht angetastet haben, indem sie verlangen, dass das Christkind in körperlicher Form zu den Kindern kommt. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Daher wurde es noch nie gebucht. Das Christkind überreicht ja auch keine Geschenke wie der Weihnachtsmann.

Wer bucht den Weihnachtsmann?

Hauptsächlich ausländische Familien aus Schweden oder Amerika, die in Wien wohnen. Auch Russen sind darunter, die buchen den Weihnachtsmann (das russische Pendant heißt Väterchen Frost, Anm.) aber am 6. und 7. Jänner, wenn die russisch-orthodoxen Christen Weihnachten feiern. Die Nachfrage nach dem Weihnachtsmann geht aber zurück.

Warum?

Mir kommt vor, dass wieder mehr auf alte Traditionen zurückgegriffen wird. Das ist in unseren Breiten zum Beispiel der Nikolaus. Gemeinsam mit dem Krampus wird er verstärkt nachgefragt.

Zurück zum Weihnachtsmann. Was zeichnet ihn -vor allem im Vergleich zum Christkind -aus?

Er ist eher der kumpelhafte, der lustigere Typ. Der Weihnachtsmann setzt sich mit den Kindern auf den Boden und spielt mit ihnen. Er zwinkert ihnen zu, ist lockerer, das ist halt das typisch Amerikanische. Wenn man das Kostüm anhat, fühlt man sich wirklich wie ein anderer Mensch.

Gehört das Am-Bart-gezogen-Werden auch unweigerlich dazu?

Die Kinder sind da sehr vorsichtig. Irgendwie wissen sie ja, dass da etwas faul ist und dass das kein echter Bart ist. Das ist ein bisschen unheimlich, aber gleichzeitig faszinierend. Die Augen werden groß, die Hand kommt ins Gesicht, und dann wird ganz leicht gezogen.

Gibt es Kinder, die sagen: "Dich gibt es nicht!"

Ich bin schon manchmal mit solchen Sätzen konfrontiert. "Du bist ja gar nicht echt." Oder: "Ich weiß, dass es dich nicht gibt." Die Kleineren, so mit drei, vier Jahren, halten mich wirklich für real. Ab sechs werden sie skeptisch.

Und wie reagieren Sie auf Skepsis?

Mit einer Gegenfrage. Ich sage: "Ich bin jetzt da bei Dir, oder bin ich nicht real?"

Wurde schon einmal ein Weihnachtsmann enttarnt?

Naja (lacht). Was immer wieder passiert, ist, dass beim Reingehen die Mütze am Türstock hängen bleibt und die dann runterfällt. Dann wird es chaotisch, weil man die Mütze suchen muss, und wenn man sich hinuntergebeugt, fällt vielleicht die Perücke vom Kopf - und dann hat man alle Hände voll zu tun, um das Kostüm am Körper zu halten und wieder halbwegs Haltung anzunehmen.

Welchen Stellenwert haben die Geschenke bei Ihrem Besuch?

Manche fangen gleich an, die Packerl aufzumachen, und man ist in dem Moment vergessen. Der Auftrag ist damit erledigt. Andere legen die Geschenke beiseite und widmen sich wieder dem Weihnachtsmann. Das macht es ja so spannend, weil jeder Auftritt anders ist und von den Persönlichkeiten abhängt, auf die man trifft.

Gelten kleine Geschenke wie Zuckerl bereits als minderwertig?

Ja, schon. Es gibt viele, die das schätzen, aber auch sehr viele, die sagen: "Was ist das? Das ist nichts G’scheits."

Gibt es ein goldenes Buch, aus dem der Weihnachtsmann vorliest?

Die Eltern legen einen Zettel mit Name und Alter des Kindes und die Geschenke vor die Haustür. Die Geschenke kommen in den Jutesack, auf dem Zettel stehen auch die guten und schlechten Taten. Ich halte das aber so, dass wir die Kinder selbst fragen, was sie glauben, dass sie nicht gut gemacht haben. Manche lächeln dann, rollen mit den Augen, und dann kommen Sachen, die gar nicht auf dem Zettel stehen. Und manches, das die Eltern aufgeschrieben haben, will ich gar nicht vorlesen, wenn es zum Beispiel ums Bettnässen geht. Dann macht das Kind ja in der Sekunde in die Hose. Ich will es nicht bloßstellen.

Nach Weihnachten ist Ostern das nächste Fest. Wie läuft das Geschäft mit dem Osterhasen?

Mit dem Osterhasen haben wir bisher nur einen Auftritt gehabt, und ich hab’ mir selbst überlegt, wie es dem Kind wohl damit gegangen ist. Mit dem Kostüm ist man ja circa zwei Meter groß, wie ein Riesenmonsterhase in der Wohnung. Der Osterhase in meiner Vorstellung schaut anders aus, und er versteckt die Geschenke. Ähnlich wie das Christkind sieht ihn niemand. Seitdem hab’ ich auch keine Anfrage mehr gehabt.

Zur Person

Johannes Mayer

Der 43-Jährige ist gelernter Jurist, Business Coach und Trainer für Innovationsprozesse. Er leitet seit 15 Jahren sein Werbeunternehmen, das auf Direktmarketing für Kunst- und Kulturbetriebe spezialisiert ist. Ebenso lange bietet er den Besuch von Weihnachtsmann, Nikolaus, Krampus, Engerl und Osterhase an.

www.nikolauswien.at