Wien. Knackige Äpfel, grüner Salat und stichfestes Joghurt: Was sich anhört wie eine delikate Auswahl im Einkaufswagerl, landet in Wahrheit im Müll. Und zwar tonnenweise. Rund 760.000 Tonnen Lebensmittel sind es jährlich, die laut einem Lagebericht des Ökologie Instituts in Österreich weggeworfen werden. Die Hälfte davon wäre potenziell vermeidbar, heißt es in dem Bericht, der vom WWF und von Mutter Erde, ein Zusammenschluss des ORF und der führenden Umwelt- und Naturschutzorganisationen, in Auftrag gegeben und am Dienstag vorgestellt worden ist. Schaut man in die heimischen Restmülltonnen, so finden sich demnach rund 157.000 Tonnen Lebensmittel darin, die noch genießbar und oft sogar originalverpackt sind. Das entspricht etwa zwölf Prozent des gesamten Hausmülls.

WWF und Mutter Erde wollen daher im nächsten Monat eine Kampagne zur Bewusstseinsbildung starten. Das Mindesthaltbarkeitsdatum zum Beispiel sei eher als Garantie zu sehen, nicht aber als Ablaufdatum, sagten sie. Vor allem aber fordern die NGOs eine klare politische Zuständigkeit, die Erhebung konkreter Daten und eine Strategie für die gesamte Wertschöpfungskette, die zum Beispiel auch eine engere Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen beinhaltet. Nur dann sei es möglich, das gesamteuropäische Reduktionsziel zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 zu erreichen, wie es in der Novelle des Europäischen Abfallrechts von 2014 festgeschrieben steht.

Aufkleber und Restlkochbücher


Schon vor sechs Jahren war Boku-Mitarbeiterin Felicitas Schneider zu ähnlichen Zahlen bezüglich der Lebensmittelabfälle gekommen, geändert hat sich seither kaum etwas. Ein Vier-Personen-Haushalt gebe durchschnittlich 400 Euro im Jahr für Lebensmittel aus, die nahezu unversehrt weggeschmissen werden, rechnete Schneider damals vor. Vereinzelte Kampagnen starteten, so zum Beispiel in Niederösterreich, wo Mülltonnen mit Aufklebern versehen wurden, die auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam machten, und man Restlkochbücher verteilte.

Der Anteil an genießbaren Lebensmitteln im Müll hat sich dennoch nicht geändert. Damals wie heute sind die Gründe für das Wegwerfen von Essen vielschichtig: gesundheitliche Bedenken wegen Mindesthaltbarkeitsdaten, zu wenig Platz im Kühlschrank, aus Gusto zu viel eingekauft. Und damals wie heute sind auch die Konsequenzen enorm, wenngleich sie nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar sind. "Diese Verschwendung bringt einen ökologischen Rucksack voller Dinge mit sich: Energieverbrauch, Fläche, Ressourcen", sagte Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin von Mutter Erde. Das Wegwerf-Problem von Lebensmitteln sei also gleichzeitig ein Umwelt- und ein Wirtschaftsproblem.