Wien. Der heutige Karfreitag ist ein strenger Fasttag in der katholischen Kirche. Es gelten das Gebot der einmaligen Sättigung und der Verzicht auf Fleisch. Die Tradition will es, dass die 5,6 Millionen Katholiken in Österreich am Nachmittag um 15 Uhr der überlieferten Sterbestunde von Jesus, zum Kreuzweg gehen. Doch welche Bedeutung haben Glaube und Brauchtum tatsächlich, wenn es um Ostern geht?

Laut einer Market-Umfrage hat für 45 Prozent der Befragten Ostern gesellschaftlich an Stellenwert verloren. Nur sieben Prozent sehen einen Bedeutungszuwachs. Dieser Wandel ist besonders in den Städten spürbar.

Vor allem in früheren Zeiten war Ostern, ähnlich wie Weihnachten, ein Fest mit verschiedenen Traditionen. Zu den kulturellen Fixpunkten zu Ostern gehörte neben dem Kirchenbesuch unter anderem das Ratschen. Dabei zieht die Dorfjugend mit hölzernen Instrumenten durch die Straßen und ersetzt mit ihren Ratschen das Geläut der Kirchenglocken, die von Gründonnerstag bis Karsamstag sprichwörtlich nach Rom geschickt werden.

Dass Bräuche wie dieser heute vielfach nicht mehr gelebt werden, hängt laut dem Kulturwissenschafter Günther Jontes auch mit einer zunehmenden Anonymität in den Städten zusammen. Das Ratschen etwa wurde ursprünglich als sogenannter Heischebrauch praktiziert. Das bedeutet, dass die umherziehenden Kinder für ihre Mühe mit Ostereiern oder kleinen Geschenken belohnt wurden.

Wirtschaft verzeichnet Umsatzplus

Das Verschwinden der dörflichen Strukturen in den Großstädten und die zunehmende kulturelle Vielfalt dürften Gründe für das Aussterben alter Bräuche sein. "Gerade in den Städten ist es bei den Menschenmassen um eine Pfarre schon sehr bevölkert und bunt gemischt mit anderen Konfessionen," so Jontes: Der traditionelle Hintergrund des Osterfestes verschwindet nach und nach.

Ganz im Gegensatz dazu steht der Konsum: Er entwickelt sich zu den Feiertagen prächtig, die Ostereinkäufer scheinen von der Wirtschaftskrise unbeeindruckt. In Wien betrugen die Osterumsätze im Jahr 2015 rund 56 Millionen Euro, was einem Plus von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach. Pro Kopf waren es demnach also durchschnittlich 61 Euro, die für Ostergeschenke ausgegeben wurden.

Diese Zahlen passen auch zu den Ergebnissen der Market-Umfrage: Darin gaben 76 Prozent der Befragten an, die Wirtschaftskrise habe keine Auswirkungen auf ihr Konsumverhalten zu Ostern. Es ist zu vermuten, dass das dieses Jahr ähnlich ist.