Monikas Damen


Ein süßlicher Parfum- und Taftgeruch macht sich bemerkbar, als Monika Plieschnegger und ihre Damen den Festsaal des Klosters betreten. Sie heben die Beserlborte ihrer Kleider, um die Seide nicht abzunutzen und trippeln auf ihren hohen Trachtenschuhen. Über ihren Ringen tragen sie einen Spitzenhandschuh aus Baumwolle. In einer Hand baumelt ihre Handtasche, "Pompadour" genannt. In der anderen halten sie einen Strauß aus gehäkelten Blumen. Jede ihrer Garderoben kostet so viel wie ein VW Polo, mehr als 10.000 Euro.

Die Haube auf ihrem Kopf hüten die Frauen wie einen Schatz. Sie dürfen sie nur tragen, wenn sie mindestens zu dritt unterwegs sind. Und nur wer Mitglied in einem Goldhaubenverband ist, darf diese mit Fäden, Perlen und Pailletten verzierte Kopfbedeckung überhaupt aufsetzen. Es ist nicht leicht, an eine Goldhaube zu kommen. In Kärnten gibt es nur eine einzige Handwerkerin, die sie herstellt. Meist wird der Kopfschmuck vererbt.

Plieschnegger wurde in den vergangenen zwölf Jahren stets geschlossen von allen Kärntner Goldhauben zu deren Präsidentin gewählt. 500 Mitglieder hat der Verband. Nie gab es eine Gegenkandidatin. "Aber mit Hierarchien haben wir sowieso nichts am Hut", sagt Plieschnegger, die heute im Kloster Wernberg ihre 15 Obfrauen der Bezirke zur Jahresauftaktversammlung trifft.

Aber wozu gibt es diesen Verband eigentlich? Die Goldhaube steht in Österreich bis heute für bürgerlichen Wohlstand, karitatives Engagement, Tradition und Brauchtumspflege. Sie kam erstmals 1820 in Mode. Es dauerte jedoch noch ein gutes Jahrhundert, bis sich Frauen in Gemeinden und Städten zusammensetzten, um die ersten Vereine zu gründen. Feministischen Einschlag haben die Goldhauben keinen. Sie sehen sich als "Boschafterinnen der Volkskultur". Sie engagieren sich in ihren Gemeinden, sammeln Spenden, betreuen Gottesdienste und organisieren Christkindlmärkte. Im vergangenen Jahr haben sie 70 Kilo an Keksen verkauft und 7000 Euro für ein Behindertenheim gesammelt.

Heute sind die Obfrauen "in zivil" da, tragen Blusen, Trachtenjanker und Kostüme. Manche haben sich Ehrenabzeichen angesteckt. Der Verein soll nicht nur Arbeit, sondern auch Freizeitbeschäftigung sein. Gemeinsam besichtigt man kulturträchtige Orte Kärntens. Heute ist das Kloster Wernberg nahe Villach dran.

"Der Altersdurchschnitt in unserem Kloster liegt bereits bei 75", klagt eine Klosterschwester, die mit einer Glocke durch die alten Säle und Türme des Klosters führt. Die Goldhaubenfrauen seufzen geschlossen und folgen ihr. Vielleicht können sie die Nonne so gut verstehen, weil auch ihre Mitglieder meist im Pensionsalter sind. Ihre Funktionen üben die Obfrauen wie die Präsidentin ehrenamtlich aus. Förderungen bekommen die Goldhauben nicht. "Wir möchten keine Bittsteller sein", sagt Plieschnegger. Dass sie früher Stadträtin für die FPÖ war, bringe dem Verein keinerlei Bonus, sagt sie. Der Verein finanziert sich aus privaten Spenden und Charity-Veranstaltungen. Zusätzlich zahlt jede Goldhaube je nach Ortsverband zwischen 60 und 130 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr.

Plieschnegger hat zwei Hauben zu Hause. Das ist aber nicht der Grund, warum sie Präsidentin wurde. Die Damen beschreiben sie als "Frau mit Herz an vorderster Front". Während der Versammlung merkt man, warum. Als das Klirren der Kuchengabeln verstummt, verteilt die Präsidentin Blumensträuße in den Kärntner Farben. Roswitha, die Schriftführerin und Gertraut, die Kassiererin, haben Geburtstag. Dann gibt es ein Geschenk für alle Obfrauen: Ein Zirbenkissen. "Da haben wir die Heimat immer bei uns, wenn wir in die Ferne fahren", sagt Plieschnegger.

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