Wien. (temp) Das Thema Wohnen beherrscht die Wahlkämpfe seit Jahren: Leistbarer soll es werden -und zwar für alle. Genau das Gegenteil ist aber der Fall. Denn die Wohnungsmieten haben sich in fünf Jahren um rund 15 Prozent verteuert, so die Daten der Statistik Austria für 2015. Es gibt sogar einen neuen Rekord: Inklusive Betriebskosten lagen die Hauptmieten im österreichweiten Durchschnitt erstmals bei 7,1 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Überdurchschnittlich stark gestiegen ist der Preis für privat vermietete Wohnungen - und zwar um 16,5 Prozent in fünf Jahren. Genossenschafts- und Gemeindewohnungen haben sich um 12,9 respektive 12,7 Prozent verteuert, wobei sechs von zehn Miethaushalten in irgendeiner Form des geförderten beziehungsweise sozialen Wohnbaus leben. Dieser Anteil ist im EU-Vergleich relativ hoch.

Österreich liege somit nach Deutschland im Spitzenfeld der Mieten im europäischen Vergleich, sagte Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer am Montag. Die Mieten in Österreich seien sogar stärker gestiegen als jene im Nachbarland, sie starteten allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Zu sagen, dass Wohnen in Österreich somit noch immer günstiger ist, hinkt allerdings, weil ja auch das Lohnniveau in Deutschland höher ist.

Armutsgefährdete Personen wohnen teurer


Konkret geben österreichische Privathaushalte 16 Prozent ihres Haushaltseinkommens fürs Wohnen aus. Monatlich sind das 460 Euro (Median). Die Energiekosten (Strom, Warmwasser und Heizung) sind 122 Euro davon, das entspricht rund 27 Prozent. Der Wohnkostenanteil ist für Haushalte in Mietwohnungen doppelt so hoch (25 Prozent) wie für Haushalte in Haus- oder Wohnungseigentum (12 Prozent). Zum Vergleich: Im Hauseigentum werden 418 Euro (Median) pro Monat gezahlt, bei Mietwohnungen sind es 643 Euro.

Genau hier wurzelt ein grundlegendes Problem, das die Schere zwischen Arm und Reich auseinandertreibt. Denn armutsgefährdete Haushalte leben gezwungenermaßen öfter in Mietwohnungen, was schon einmal grundsätzlich teurer kommt. Aufgrund ihres geringeren Einkommens geben sie mehr als ein Drittel (36 Prozent) davon fürs Wohnen aus. Bei den Haushalten mit hohem Einkommen sind es rund acht Prozent.

Was noch dazukommt: Armutsgefährdete Personen seien in den Ballungsräumen, wo sie vermehrt leben, mit der zunehmenden Nachfrage und damit höheren Preisen konfrontiert, so Pesendorfer. Die 58 Prozent der Bevölkerung, die im Eigentum leben, seien vor allem auf dem Land zu finden. Der Rest (42 Prozent) zahlt Miete, wobei deren Anteil in Wien auf 79 Prozent steigt.